{"id":1759,"date":"2024-06-24T20:20:51","date_gmt":"2024-06-24T20:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/thomasheyer.com\/?page_id=1759"},"modified":"2025-11-07T08:50:27","modified_gmt":"2025-11-07T08:50:27","slug":"veroeffentlichungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/thomasheyer.com\/en\/veroeffentlichungen\/","title":{"rendered":"Ver\u00f6ffentlichungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\t\t\t\t<div class=\"wp-block-uagb-table-of-contents uagb-toc__align-left uagb-toc__columns-1  uagb-block-01d06535\"\n\t\t\t\t\tdata-scroll= \"1\"\n\t\t\t\t\tdata-offset= \"30\"\n\t\t\t\t\tstyle=\"\"\n\t\t\t\t>\n\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__title\">\n\t\t\t\t\t\t\t<strong>\u00dcbersicht<\/strong>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"uagb-toc__list-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<ol class=\"uagb-toc__list\"><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#anleitung-zum-ungl\u00fccklichsein-mit-dem-eigenen-singen\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein mit dem eigenen Singen<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#der-s\u00e4nger-und-seine-stimme-treffen-den-endgegner-oder-wie-singe-ich-denn-nun-mein-hohes-c\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">Der S\u00e4nger und seine Stimme treffen den Endgegner oder wie singe ich denn nun mein hohes C?<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#wie-komme-ich-hier-zum-opernhaus-\u00fcben-\u00fcben-\u00fcben\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">&quot;Wie komme ich hier zum Opernhaus?&quot; &#8211; &quot;\u00fcben, \u00fcben, \u00fcben!&quot;<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#h\u00f6ren-und-handeln\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">H\u00f6ren und Handeln<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#das-wesentliche-ist-unsagbar-aber-singbar\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">Das Wesentliche ist unsagbar! Aber singbar?<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#man-singt-nur-mit-dem-herzen-gut-thomas-heyer-wird-porfessor-in-frankfurt\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">Man singt nur mit dem Herzen gut &#8211; Thomas Heyer wird Porfessor in Frankfurt<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#aus-der-seele-statt-aus-der-kehle\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">Aus der Seele statt aus der Kehle<\/a><li class=\"uagb-toc__list\"><a href=\"#er-trifft-immer-den-ton\" class=\"uagb-toc-link__trigger\">Er trifft immer den Ton<\/a><\/ol>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:46px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"537\" height=\"800\" src=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Veroeffentlichungen_Bild1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3138\" style=\"border-radius:20px;aspect-ratio:2\/3;object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Veroeffentlichungen_Bild1-1.jpg 537w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Veroeffentlichungen_Bild1-1-201x300.jpg 201w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Veroeffentlichungen_Bild1-1-8x12.jpg 8w\" sizes=\"auto, (max-width: 537px) 100vw, 537px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein mit dem eigenen Singen<\/h2>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Der ultimative Leitfaden zur gesanglichen Selbstsabotage<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Text\u00a0\u00a0f\u00fcr die Vox Humana im Jahr 2025<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Singen ist einfach und macht gl\u00fccklich \u2013 das pfeifen die Spatzen von den D\u00e4chern. Dennoch gibt es eine ganz spezielle Gruppe von S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern, die diesen zwar komplexen, doch eigentlich wenig komplizierten Vorgang mit nahezu wahnhafter Hingabe in eine endlose Abw\u00e4rtsspirale verwandeln. Sie analysieren, reflektieren, problematisieren \u2013 und katapultieren sich mit beachtlichem Eifer in eine Situation, in der manch ein Spatz auf vielen D\u00e4chern pfeift: \u201eBoah ey, Singen ist ja wirklich schwer!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Man bedenke: Wir besitzen alle dieses perfekte und vollkommene Organ \u2013 zwar in unterschiedlichen Zust\u00e4nden \u2013, doch hat ein Bayreuth-S\u00e4nger vom Aufbau her betrachtet dasselbe Organ wie eine Politikerin in Berlin oder ein Altenpfleger aus Dorsten.<br>Wenn man dies ganz begreift, erkennt man schnell, dass der liebe Gott \u2013 oder von mir aus auch die Intelligenz der Evolution \u2013 uns Menschen als K\u00fcnstler, als singendes Wesen konzipiert hat \u2013 quasi als Homo musicus.<br>Also hat jeder Mensch evolutionsbiologisch betrachtet, eine Stimme \u2013 und kann damit auch singen.<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Drogerie-Zeitschriften und bei einigen Vortr\u00e4gen erfahren wir immer wieder, wie gl\u00fccklich uns das Singen macht und wie gesund es ist: Wie Oxytocin dabei ausgesch\u00fcttet wird, wie Immunparameter erh\u00f6ht werden und wie dies den K\u00f6rper belebt.<br>Diese v\u00f6llig richtigen Aussagen scheinen aber immer nur f\u00fcr den Laienbereich zu gelten, denn Berufss\u00e4nger und jene, die es werden m\u00f6chten, scheinen davon nicht zu profitieren \u2013 im Gegenteil:<br>Sobald Singen ein Beruf wird (was ja in sich selbst schon seltsam ist), wird es gerne mal anspruchsvoll:<br>Wir machen diesen vollkommen nat\u00fcrlichen Vorgang kompliziert und reflektieren einen Prozess, der aufgrund seiner Komplexit\u00e4t kaum zu reflektieren ist, da er \u2013 wie jeder gro\u00dfe (und kleine) Gesang \u2013 emotional und nicht intellektuell gesteuert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDumm singt gut\u201c w\u00fcrde ich nun nicht unbedingt pauschalisieren, dennoch gerne postulieren:<br>Jeder Mensch kann singen \u2013 da sind auch Dumme dabei \u2013 und dazu: Jeder Mensch sollte singen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gilt auch: Je reflektierter der Singende, desto tiefer kann das Ungl\u00fccklichsein \u00fcber das eigene Singen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn nun dieser Homo musicus in eine Profi-Laufbahn als Konzerts\u00e4ngerin oder Opernbariton geht, passieren eben manchmal wundersame Dinge, die &#8211; selbst liebevoll und bei Lichte betrachtet &#8211; kaum nachvollziehbar sind.<br>Meine Erfahrung aus nahezu 30 Jahren Unterrichtspraxis und Hunderten von Gesangskursen konnte dieses Ph\u00e4nomen zwar hoffentlich und vielleicht ein wenig begrenzen und in Einzelf\u00e4llen sogar heilen, dennoch traf ich auch S\u00e4ngerinnen und S\u00f6nger, denen ein positives Wort \u00fcber den eigenen Gesang oder die eigene Stimme schwerfiel oder die bereits komplett im Ungl\u00fcck \u00fcber ihr eigenes Singen versunken waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich sind die Bedingungen, unter denen mancher Berufss\u00e4nger seine sonnt\u00e4glichen Salamibr\u00f6tchen verdient oder sich auf dem Weg dahin macht, nicht unbedingt ein Zuckerschlecken.<br>Doch jenseits der realen Herausforderungen gibt es unerkl\u00e4rliche Ph\u00e4nomene, die den S\u00e4nger in eine Spirale treiben, die nicht nur klanglich verheerend ist, sondern das gesamte Sing-Organ inklusive drumherum klebendem S\u00e4nger in eine denkbar ung\u00fcnstige Position bugsiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum tun sich S\u00e4nger das an? Warum dieser Hang zur Selbstzerst\u00f6rung?<br>Antworten suchen wir hier nicht \u2013 w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber eine kleine humorvolle Unterst\u00fctzung kann nicht schaden.<br>Insbesondere f\u00fcr meine eifrigen oder gar eifernden Leser:<br>Falls Sie beim Lesen der Verdacht beschleicht, dass es sich hier um Humor handelt \u2013 keine Sorge, den haben einige h\u00f6chstwahrscheinlich ohnehin schon verlernt.<br>Aber keine Panik, ich helfe, wo ich kann:<br>Ganze Heerscharen von S\u00e4ngern haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihr Singen konsequent zu verschlechtern.<br>Hier wird keine M\u00fche gescheut, um das eigene musikalische Ungl\u00fcck zur Perfektion zu treiben \u2013 ein Unterfangen, das nicht nur Zeit, sondern auch Unsummen an Geld verschlingen kann.<br>Um dieser Spezies ein wenig R\u00fcckenwind zu geben (und ihr Leiden vielleicht noch etwas zu intensivieren), widme ich ihnen diese exklusiven Ratschl\u00e4ge:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die exklusiven Ratschl\u00e4ge zur gesanglichen Selbstsabotage:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erster Rat: Singen Sie ausschlie\u00dflich, was andere m\u00f6gen!<\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nlicher Geschmack? K\u00fcnstlerische Integrit\u00e4t? Vergessen Sie\u2019s!<br>W\u00e4hlen Sie Ihr Repertoire einzig und allein danach aus, was beim Publikum oder \u2013 noch besser \u2013 bei selbsternannten Experten gut ankommt.<br>Stellen Sie sicher, dass Ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse vollst\u00e4ndig ignoriert werden, denn nur so gelingt es Ihnen, jede Freude am Musizieren erfolgreich abzut\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hlen Sie am besten immer Repertoire, das viel zu schwer f\u00fcr Sie ist, damit Sie w\u00e4hrend des Singens st\u00e4ndig denken: \u201eDas bekomme ich nie hin!\u201c<br>Besonders geschickt sind Sie, wenn Sie eine Art Doppelleben etablieren: Zuhause rufen Sie Isoldes Liebestod im Wohnzimmer und im Gesangsunterricht \u00fcben Sie Caro mio ben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Zweiter Rat: W\u00e4hlen Sie den falschen Gesangslehrer!<\/p>\n\n\n\n<p>Achten Sie darauf, ausschlie\u00dflich Lehrer mit fragw\u00fcrdiger Kompetenz und null Erfolgsbilanz zu besuchen.<br>Sind Sie Mezzosopran? Dann suchen Sie sich unbedingt jemanden, der von tiefen Frauenstimmen keine Ahnung hat, aber trotzdem steif und fest behauptet, er allein habe das Geheimnis des unteren Passaggios entschl\u00fcsselt \u2013 ohne allerdings eine klare Herangehensweise oder konkrete \u00dcbung daf\u00fcr anbieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine noch nachhaltigere Selbstsabotage empfiehlt es sich, gleich mehrere Lehrer gleichzeitig zu konsultieren \u2013 m\u00f6glichst mit v\u00f6llig widerspr\u00fcchlichen Methoden.<br>Bonuspunkte gibt es, wenn Sie Ihre Lehrer gegeneinander ausspielen und sich bei einem \u00fcber den anderen direkt und indirekt beschweren.<\/p>\n\n\n\n<p>Achten Sie besonders darauf, sich von Menschen unterrichten zu lassen, die entweder noch nie selbst gesungen haben oder es l\u00e4ngst erfolgreich verdr\u00e4ngt haben.<br>Wichtig ist auch die Absurdit\u00e4t der Methodik \u2013 hier gilt: Es darf keinesfalls einfach sein oder sich gut anf\u00fchlen!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Dritter Rat: Machen Sie es sich so kompliziert wie m\u00f6glich!<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind Ihrer Kreativit\u00e4t keine Grenzen gesetzt:<br>Nutzen Sie Hilfsmittel, die mit Gesang nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun haben \u2013 von Massagest\u00e4ben \u00fcber Zwangsjacken bis hin zu Sitzb\u00e4llen.<br>Je absurder, desto besser!<\/p>\n\n\n\n<p>Und das Wichtigste: \u00dcben Sie stundenlang mit diesen Ger\u00e4ten, damit sich auch wirklich kein Zusammenhang zwischen Ihrem Tun und einer tats\u00e4chlichen Verbesserung des Singens ergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleiben Sie vertrauensvoll in Ihrem Misserfolg: Verfolgen Sie jede kleinste Schwierigkeit, die sich ergibt und er\u00f6rtern Sie diese in einer Dauerschleife mit sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Vierter Rat: Vertrauen Sie auf esoterische Wundermittel!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kastanie auf dem Kopf oder Singen bei zunehmendem Vollmond haben schon manche vielversprechende Karriere im Keim erstickt.<br>Wer braucht schon solide Gesangstechnik, wenn man stattdessen auf Kristallheilung und Schwingungstherapie setzen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnfter Rat: Sabotieren Sie Ihre Gesundheit!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie wirklich an Misserfolg interessiert sind, sorgen Sie daf\u00fcr, dass Ihr K\u00f6rper Ihnen m\u00f6glichst wenig Unterst\u00fctzung bietet.<br>Alkohol, Nikotin, exzessiver Schlafmangel \u2013 lassen Sie Ihrer Selbstzerst\u00f6rung freien Lauf!<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Fortgeschrittene empfiehlt sich eine kunterbunte Mischung aus Medikamenten, die Sie am besten wahllos und ohne \u00e4rztliche Kontrolle konsumieren.<br>Mit etwas Gl\u00fcck wird Ihre Stimme bald genau die Beschwerdebilder aufweisen, von denen Sie immer getr\u00e4umt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Sechster Rat: Manipulieren Sie sich psychologisch in den Wahnsinn!<\/p>\n\n\n\n<p>Wechseln Sie in Ihrer Selbstwahrnehmung st\u00e4ndig zwischen \u201eIch bin der beste S\u00e4nger der Welt!\u201c und \u201eIch bin unfassbar schlecht!\u201c \u2013 je schneller, desto besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur optimalen Verst\u00e4rkung dieses Chaos vergleichen Sie sich t\u00e4glich mit einem Weltstar (z.\u202fB. Anna Netrebko) und einem Kollegen, den Sie mal an einem schlechten Tag geh\u00f6rt haben.<br>Ein brillantes Konzept, um sich in ma\u00dflose Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und ebenso ma\u00dflose Selbstzweifel gleicherma\u00dfen hineinzusteigern. Suchen Sie auch Pers\u00f6nlichkeiten, die dieses perfide System mit Psychodruck unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Siebter Rat: Folgen Sie ausschlie\u00dflich verallgemeinerten Anweisungen!<\/p>\n\n\n\n<p>Verlassen Sie sich auf simple, in Stein gemei\u00dfelte Dogmen, die Sie mit fanatischer Hingabe befolgen \u2013 egal, ob sie Sinn ergeben oder nicht.<br>\u201elass die Konsonanten weg\u201coder \u201edie Konsonanten sind dein Sprungbrett\u201c k\u00f6nnten gleichzeitig benutzt ein Anfang sein, falls Sie mal ein Wort mit Konsonanten singen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zielf\u00fchrender ist es jedoch, wenn es noch abstruser wird und Sie sich selbst in eine eigene Vorstellungswelt entf\u00fchren, in der Mittelerde ein kleiner Sandkasten ist:<br>Vokale liegen 17 cm \u00fcber dem Kopf oder: Singen ist wie eine Treppe!<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wer dies ganz im eigenen Wahn und im st\u00e4ndigen Wechsel erlebt, wird sofort verstehen, dass es sich mitnichten um beseelten Gesang handeln kann!<\/p>\n\n\n\n<p>Achter Rat: Lassen Sie sich regelm\u00e4\u00dfig von ahnungslosen Menschen bewerten!<\/p>\n\n\n\n<p>Suchen Sie aktiv das Urteil von Leuten, die keine Ahnung haben, aber trotzdem gern ihren Senf dazugeben: Vocal Coaches, Yogalehrer, Metzgereifachangestellte, Regisseure etc.<br>Je absurder die Kritik, desto besser!<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie sich einreden, Ihre Stimme sei \u201ezu dunkel\u201c und gleichzeitig \u201ezu hell\u201c, \u201ezu laut\u201c und gleichzeitig \u201ezu leise\u201c. \u201eDu bist zu faul in der Mittellage\u201c oder andere dummen \u00c4u\u00dferungen wie \u201edu kannst nicht hoch singen\u201c bringen genau diese Traumata, die Sie nun ben\u00f6tigen! Dieses weite Feld der vernichtenden Kritiken k\u00f6nnen Sie nun vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts drehen und Sie werden zu keinem sinnvollen Ergebnis kommen!<br>Mit etwas Hingabe k\u00f6nnen Sie sich so lebenslange psychische Blockaden zulegen und endlich erkennen: Mit meiner Stimme stimmt was nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Neunter Rat: Umgeben Sie sich mit toxischen Menschen und Orten!<\/p>\n\n\n\n<p>Suchen Sie gezielt nach Umfeldern, die Ihr Ungl\u00fcck maximal f\u00f6rdern: Musikschulen mit starren Hierarchien, private Gesangslehrer mit tief sitzenden eigenen Problemen oder Hochschulen, die sich durch besonders kreativen Machtmissbrauch auszeichnen \u2013 hier sind Sie genau richtig!<\/p>\n\n\n\n<p>In solch einer Umgebung kann Ihr Abstieg zur gesanglichen Katastrophe auf h\u00f6chstem Niveau stattfinden.<br>Wichtig ist: Sie m\u00fcssen st\u00e4ndig das Gef\u00fchl haben, nicht zu gen\u00fcgen!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Zehnter Rat: Verschlechtern Sie aktiv Ihre Gesangstechnik!<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst reduzieren Sie den Einsatz von Resonanzr\u00e4umen so stark wie m\u00f6glich, um Ihre Stimme sch\u00f6n klein und gedr\u00fcckt zu halten.<br>Oder gehen Sie den entgegengesetzten Weg und dr\u00fccken Sie den Kehlkopf maximal nach unten, am besten mit Hilfe des Zungenbeins \u2013 so klingt Ihre Stimme bald wie das Nebelhorn der Titanic. Bem\u00fchen Sie sich aktiv darum, dass ihre Atmung m\u00f6glichst passiv ist. Sie werden sehen: schon bald singen Sie schlechter als je zuvor!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Elfter Rat: Singst du noch oder atmest du schon?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu musst erstmal neu atmen lernen!\u201c \u2013 obwohl das Atmen in Ihrem bisherigen Leben eigentlich recht gut und unfallfrei funktioniert hat, best\u00e4tigen Sie dies und stemmen erstmal drauf los !<\/p>\n\n\n\n<p>Atmen Sie m\u00f6glichst widernat\u00fcrlich!<br>Bl\u00e4hen Sie sich auf, atmen Sie in s\u00e4mtliche K\u00f6rperregionen \u2013 au\u00dfer nat\u00fcrlich den Lungenfl\u00fcgeln!<br>Atmen Sie in den Bauch, um auch Ihren Darm zum olfaktorischen Resonator f\u00fcr Ihr Publikum und Ihre B\u00fchnenpartner zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pressen Sie Ihr Zwerchfell \u2013 nicht wie gedacht als Einatmungsmuskel, sondern mit viel Gewalt unter die Kehle als Pressmaschine f\u00fcr hohe Cs.<br>Erst wenn Ihr K\u00f6rper optisch zu einem lebenden Krampf verunstaltet wurde, haben Sie es geschafft: Keine Emotion mehr in Ihrem Gesang!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Zw\u00f6lfter Rat: \u00dcben, \u00fcben, \u00fcben!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcben Sie viel, lange und sinnlos.<br>Wenn Ihr Gesangslehrer gesagt hat: \u201eDu musst Wurzeln schlagen und Dich erden\u201c, dann h\u00f6ren Sie erst auf, wenn da ein kleiner Trieb zwischen Ihren Zehen w\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist: M\u00f6glichst verspannt und ohne jede Freude \u00fcben \u2013 je sinnloser, desto besser!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcben Sie ganz anders, als Sie es im Gesangsunterricht erarbeitet haben:<br>Wenn Sie Tenor sind und Ihr Lehrer mit Ihnen gerade an einer Voix mixte arbeitet, halten Sie dagegen und \u00fcben Sie Siegfrieds Schmiedelieder!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcben kann auch schmerzhaft sein: Singen Sie bei jeder \u00dcbeeinheit bis zur absoluten Heiserkeit \u2013 am besten, bis Sie Ihren eigenen Namen nicht mehr sagen k\u00f6nnen.<br>Erst die t\u00e4gliche Heiserkeit bringt Ihnen das ersehnte Ungl\u00fcck!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Dreizehnter Rat: Seien Sie eine Kopie!<\/p>\n\n\n\n<p>Um m\u00f6glichst jeden eigenen k\u00fcnstlerischen Input bereits im Keim zu ersticken, kopieren Sie alles von Ihren gro\u00dfen und kleinen Vorbildern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie gro\u00dfe italienische Operndiven verehren, die jeden zweiten Ton von unten anschleifen: Auf geht\u2019s!<br>YouTube ist Ihr neuer Gesangslehrer!<\/p>\n\n\n\n<p>Folgen Sie jedem Ratschlag, den Sie auf sozialen Medien ergattern k\u00f6nnen, und kombinieren Sie diese wild \u2013 damit Ihre Pers\u00f6nlichkeit bald nicht mehr erkennbar ist! So wie Dr. Google den Arztbesuch erspart, erklimmen Sie mit YouTube Videos die hohen T\u00f6ne der Zerbinetta !<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p>Vierzehnter Rat: Ganze Opern \u2013 aber bitte nur, wenn\u2019s ein komplettes Desaster ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Arbeiten Sie m\u00f6glichst oft und ausf\u00fchrlich mit wirklich schlechten Regisseuren.<br>Man erkennt sie sofort: v\u00f6llige Textunkenntnis gepaart mit der kreativen Hybris eines selbsternannten Genies, der mit der Leidenschaft der Musik so viel zu tun hat wie eine Bushaltestelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie in der Zauberfl\u00f6te beim Satz \u201eder listigen Schlange zum Opfer erkoren\u201c pl\u00f6tzlich eine verzweifelte Masturbationsperformance abliefern sollen \u2013 dann sind Sie genau richtig!<br>Hier werden die Traumata des Regisseurs feinf\u00fchlig umgesetzt und der Inhalt des Werkes vollst\u00e4ndig ignoriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich wird das Ganze abgerundet durch \u201eKost\u00fcme\u201c, die aussehen, als h\u00e4tte ein schlecht gelaunter Kindergartenmitarbeiter eine postapokalyptische Modenschau vorbereitet.<br>Ob die Oper 1791 in \u00c4gypten spielt oder 3045 auf dem Mars \u2013 v\u00f6llig egal. Hauptsache grotesk.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sollten Sie irgendwann den leisen Gedanken hegen, vielleicht liegt es an Ihnen \u2013 keine Sorge: Es liegt nicht an Ihnen.<br>Hier gibt es einfach nichts zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnfzehnter Rat: Favorisieren Sie Methoden !<br>Klammern Sie sich mit heiliger Inbrunst an eine einzige Methode! Gesangstechniken sind wie Di\u00e4tmethoden: Wer ganz sicher gehen will, probiert entweder alle gleichzeitig \u2013 oder betet eine so devot an, dass selbst ein mittelalterlicher Ablassh\u00e4ndler vor Neid erblassen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Am \u00fcberzeugendsten sind nat\u00fcrlich die Methoden, die f\u00fcr alle Menschen identisch funktionieren. Individualit\u00e4t? L\u00e4cherlich! Folgen Sie lieber dem alten Lehrer, der angeblich noch mit Lamperti Espresso trank und jede Stunde mit ihm auf Minidisc archiviert hat. Oder schw\u00e4rmen Sie vom Belcanto-Ideal eines Kastraten, heldenhaft auf heutige, nahezu unversehrte S\u00e4nger projiziert \u2013 schlie\u00dflich muss Tradition nichts mit Anatomie zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei allen Methoden gut zu beobachten: Es wird immer die Methode unterrichtet und nie der Sch\u00fcler. Der rein methodische Genpool muss sauber bleiben \u2013 keine fremden Einfl\u00fcsse, keine st\u00f6renden Pers\u00f6nlichkeiten: hier sind Sie richtig, um in die Selbstverwaltung ihres s\u00e4ngerischen Ungl\u00fccks abzubiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die modernen Heilslehren? Zertifikate mit Goldrand, Hashtags im Logo, Personenkult inklusive und straffe Unternehmenshierachie! Ein bisschen wie ein luxuri\u00f6ser Streichelzoo: Jedes seltene Gesangstier verteidigt sein Gehege mit Z\u00e4hnen und Klauen. Doch wehe, jemand wirft einen Brocken gesunder Skepsis in diese oftmals Pseudowissenschaft hinein \u2013 dann kippt das fragile Biotop und enth\u00fcllt, dass hinter der gl\u00e4nzenden Fassade vor allem p\u00e4dagogische Selbstzufriedenheit lauert. Hier ist Ihr neuer Ort Ihrer ganz pers\u00f6nlichen Abw\u00e4rtsspirale!<\/p>\n\n\n\n<p>\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie diese Ratschl\u00e4ge konsequent umsetzen, steht Ihrer perfekten s\u00e4ngerischen Selbstsabotage nichts mehr im Wege. Fragen Sie sich schon: Kann ich die Tipps auch mixen? Unbedingt \u2013 je mehr gleichzeitig, desto grandioser der Effekt! Reflektieren Sie sie ununterbrochen, am besten sogar mitten auf der B\u00fchne. So garantieren Sie: Jede Note wird zur Qual, jede Phrase ein Abenteuer in Frustration. Gl\u00fcckwunsch \u2013 Sie haben es geschafft: Singen macht jetzt garantiert keinen Spa\u00df!<\/p>\n\n\n\n<p>Toi toi toi!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warnung:<\/strong> Bitte drehen Sie diesen ironischen Text keinesfalls ins Gegenteil &#8211; Singen k\u00f6nnte Spa\u00df machen \u2026.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"618\" height=\"927\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen1.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2231\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen1.webp 618w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen1-200x300.webp 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Der S\u00e4nger und seine Stimme treffen den Endgegner oder wie singe ich denn nun mein hohes C?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Text&nbsp;&nbsp;f\u00fcr die Vox Humana Ausgaben 2 und 3 im Jahr 2021<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p>Man m\u00f6chte meinen, S\u00e4nger und Stimme bildeten ein symbiotisches Verh\u00e4ltnis, tragen doch die meisten S\u00e4nger ihre Stimme stets bei sich. Und sofern die\/der Singende das Singen nicht nur als Beruf, sondern auch oder gerade deshalb mit besonders viel Freude ausf\u00fchrt, scheint ja zun\u00e4chst alles in Ordnung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber nun etwas unachtsame Gesangsbewerter kommen, die den jungen oder eben auch alten S\u00e4nger mit Anmerkungen \u00fcberh\u00e4ufen, beginnt diese von der Natur gegebene Symbiose zu zerfallen: viele S\u00e4nger werden mit sich selbst immer kritischer und betrachten ihre Stimme mehr und mehr als Krankheit, die nur mit spezialisiertem und singul\u00e4rem Fachpersonal (so bezeichnet sich dieses auch gerne selbst) behandelt und therapiert werden kann, um sie so dem klanglichen Ideal einer CD oder YouTube Ber\u00fchmtheiten anzupassen. Die Nat\u00fcrlichkeit und Besonderheit der eigenen Stimme wird nicht mehr akzeptiert, von der Stimme wird oft in der dritten Person gesprochen, die Zuversicht schwindet, vielmehr wird nach einem Geheimschl\u00fcssel und dem Inhaber desgleichen gesucht, teils \u00fcber Jahrzehnte, um sich nun dessen erneuten Bewertungen hinzugeben, damit auch noch die letzten (Stimm-)R\u00e4tsel gel\u00f6st werden. Da es diese R\u00e4tsel in einem alltagstauglichen Ablauf wie Singen gar nicht gibt und die vom S\u00e4nger selbst erwarteten besonderen Typolo- und Pathologien meist nicht vorhanden sind, wird diese Suche zwar kostspielig, aber bei Lichte geh\u00f6rt, auch oft ergebnislos bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit zieht der S\u00e4nger weiter zum n\u00e4chsten Lehrenden, und da sein Thema auch hier nicht gel\u00f6st wird, best\u00e4tigt sich f\u00fcr ihn einmal mehr: Ich bin eben was ganz Besonderes &#8211; ein Problemfall!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren habe ich einige S\u00e4nger mit vollkommen denaturierten Stimmen getroffen, die nicht nur des \u00d6fteren bereits weit \u00fcber 10 Lehrer hatten, sondern zum Teil auch mehrere von diesen gleichzeitig. Demgegen\u00fcber erscheinen mir manche Dreiecksbeziehungen geradezu als stressfrei &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ob der jeweilige Lehrer selbst singen kann oder konnte, steht in keiner Beziehung zur Kuriosit\u00e4t seiner gesangsp\u00e4dagogischen Praxis, wichtig ist, dass sein Geheimschl\u00fcssel auf jedermann zu passen scheint. Nie w\u00fcrde man auf die Idee kommen, bei jemandem Klarinettenunterricht zu nehmen, der nicht Klarinette spielen kann. Je unkonventioneller, desto besser &#8211; man zahlt ja viel Geld daf\u00fcr! Man sollte meinen, dass diese Spezies eher im Verborgenen arbeiten w\u00fcrde &#8211; aber nein, man findet sie gleicherma\u00dfen an Hochschulen wie in der freien Wildbahn. Beim Ersten singst Du barfu\u00df mit einer Kastanie auf dem Kopf, beim N\u00e4chsten gibt es Yogagesang und ganzheitliche Kl\u00e4nge aus einem buddhistischen Kloster, weil eben jenes Kloster anscheinend die gr\u00f6\u00dften Mozartten\u00f6re mit Shaolinatmung hervorgebracht hat. Dann geht es f\u00fcr den Sch\u00fcler wieder um Reflexion und Bewusstmachung , die beiden seit einigen Jahren massiv \u00fcberstrapazierten W\u00f6rter in nahezu jeder p\u00e4dagogischen Arbeit, die im Gesang nat\u00fcrlich absolut kontraproduktiv sind, da es sich beim Singen eben nicht um eine reflektierte, intellektuelle T\u00e4tigkeit handelt. Zudem ist Singen ja letztendlich eine unbewusste Kompetenz, die nur selten mit Verst\u00e4ndis bezwungen wird. Irgendwann in nicht zu ferner Zukunft wird das aus der Forstwirtschaft entlehnte Wort \u201enachhaltig\u201c, welches ja zur Zeit in keiner Werbung, Talkshow und Parteiprogramm jedweder Couleur fehlen darf, sicher auch noch f\u00fcr Gesangsunterricht verwendet werden. Besonders h\u00fcbsch sind neuere Methoden, bei denen die Gesangstechnik nach Geburtsmoment fixiert wird oder die Methode so gut ist, dass diese f\u00fcr alle S\u00e4nger auf der Welt f\u00fcr alle Stimmf\u00e4cher in der gleichen Tonart gilt. Fritz Wunderlich und Maria Callas w\u00fcrden wahrscheinlich, wenn sie noch k\u00f6nnten, aus dem Lachen nicht mehr herauskommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Gesangsunterrichten wird vor nichts haltgemacht: es gibt so abwegige gesangsp\u00e4dagogische Praktiken, die sich oft komplett widersprechen, dass einem Stimmb\u00e4nder und Haare zugleich zu Berge stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie und wo diese Lehrer selbst singen gelernt haben, scheint durch die von ihnen oft auch selbst erfundene Methode, die sie scheinbar durch Eingebung erhalten haben, nahezu unwichtig. Manchmal sogar bis hin zur Verleugnung des eigenen damlas so tief verehrten Lehrers. Hier z\u00e4hlt Pseudokreativit\u00e4t mehr als erlerntes Handwerk.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Je strenger der Lehrer sich verh\u00e4lt, desto kompetenter und besser wirkt er. Die Hauptsache scheint zu sein, dass der Sch\u00fcler sich miserabel f\u00fchlt, nur so kann er besser werden &#8211; oder zumindest kann dies dann nach der dritten Stunde behauptet werden. Nicht alles ist messbar im Gesang, und sogar die eigene Empfindung kann \u00fcberzeugend manipuliert werden, gerade in einer Eins-zu-eins-Unterrichtssituation. Beispielsweise muss der Sch\u00fcler zun\u00e4chst das Atmen neu lernen, was eigentlich bis zum Beginn des Unterrichts im bisherigen Leben des Sch\u00fclers recht unfallfrei vonstatten ging. Ein Sopran singt an einem Theater die Tosca und will im Gesangsunetrricht Ihre Stimme entsprechend darauf vorbereiten und z.B. bestimmete&nbsp;&nbsp;Formanten&nbsp;&nbsp;zu verst\u00e4rken, um die bevorstehende Partie emotionaler und angstfreier singen zu k\u00f6nnen. Als Ergebnis hat sie nun aber durchl\u00e4ssigere Knie \u2013 dies wird in diesen Unterruchten gelegentlich als Erfolg verkauft! Apropos: was ist mit all diesen Worten wie z.B. \u201edurchl\u00e4ssig\u201c, die ein Gef\u00fchl vorschreiben wollen? K\u00f6nnen diese p\u00e4dagogische Mittel sein? Kann man tats\u00e4chlich durchl\u00e4ssig sein? Oder irgendwas loslassen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und was w\u00fcrde man denn dann konkret loslassen? Ein K\u00f6rperteil, einen Gedanken, ein Notenblatt? Es klingt, als w\u00fcrde der S\u00e4nger mit einer Absicht schlecht singen, und man muss ihm das nur sagen, dann wird er die Qualit\u00e4t schon verbessern. Aber diese Abscht gibt es ja gar nicht im S\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p>Keiner singt extra schlecht!<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet also, das man als Gesangslehrer auch als Hochstapler durchaus Karriere machen kann: Jeder kann eben etwas dazu sagen und zum Beispiel, wie der k\u00fcrzlich pensionierte Dieter Bohlen, gemeinsam mit Millionen von TV Zuschauern, die als Mitjuroren fungieren, eine Meinung dort portofrei positionieren, wo man sie gerade f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Da wir alle Haare auf dem Kopf tragen oder trugen, liegt der Vergleich nahe, dass wir eigentlich alle &#8211; auch ohne entsprechende Lehrjahre &#8211; Friseure sein k\u00f6nnen &#8211; was durch die Pandemie aktuell jedoch nur bedingt dokumentiert wird.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren habe ich mir h\u00e4ufiger den Spass gemacht, ab und an auch mal mit K\u00f6rpertherapeuten zu singen: man kann sich kaum vorstellen, wie extrem verspannt diese bei einer einfachen Tonfolge sein k\u00f6nnen. Nicht, dass ich Hochleistungsgesang f\u00fcr eine Wellnesskur halten w\u00fcrde &#8211; doch gibt es offensichtlich Anzeichen daf\u00fcr, dass der Hochleistungsgesang zwar \u00e4u\u00dferst gut durch K\u00f6rperarbeit flankierend begleitet werden, jedoch nicht ohne fundierte Gesangstechnik hergestellt werden kann. Das mag erkl\u00e4ren, warum man selten Yogis als Heldenten\u00f6re sieht. Trotzdem k\u00f6nnen K\u00f6rpertherapien erg\u00e4nzend zu einer fundierten Gesangstechnik sehr sinnvoll sein &#8211; dann aber bitte bei hierf\u00fcr ausgebildeten Pers\u00f6nlichkeiten. Hierf\u00fcr reicht es nicht aus, dem Sch\u00fcler mal ein Theraband zu reichen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Arzt, der heilt, hat recht und jeder Gesangslehrer, der mit einem Sch\u00fcler eine objektive Verbesserung erzielt, ebenso, aber ein bisschen Seriosit\u00e4t w\u00fcrde beiden Berufsgruppen nicht schaden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald man diese gesangsp\u00e4dagogische Urteilsf\u00e4higkeit nun etwas geschickter und mit ca.10 Fachvokabeln ausstatten kann, wird auch eine Lehre, wie sie etwa ein Friseur ben\u00f6tigt, um arbeiten zu k\u00f6nnen, immer unwichtiger. Man behauptet einfach, dass man den Weg f\u00fcr den Sch\u00fcler, da dieser \u201edie gleiche Anatomie\u201c habe, kenne und unterrichtet nun eben eine oder seine Methode &#8211; oft ohne zu erkennen, dass man statt einer Methode lieber den Sch\u00fcler unterrichten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir unterrichten nie eine Methode, sondern immer einen Sch\u00fcler.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Hochleistungsgesang, um den es im Konzert- und Opernfach geht, sind S\u00e4nger allzu oft Einzelk\u00e4mpfer. Fast ausnahmslos scheint es: Man gen\u00fcgt nicht! Und der S\u00e4nger, der im st\u00e4ndigen Vergleich mit sich selbst und seiner singenden Umwelt lebt, kann hier binnen von Augenblicken zwischen den Kl\u00fcften von \u00dcbersch\u00e4tzung und Selbstmissachtung changieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit mir muss etwas nicht stimmen, denn der andere, meiner Ansicht nach weniger begabtere Kollege macht ja Karriere und ich nicht\u201c &#8230;. also muss eine Selbstoptimierung her, bei der die meisten Frauenzeitschriften ab Seite 38 vor Demut in Staub zerfallen w\u00fcrden: die Stimme muss eine ganz neue Technik lernen, das Styling muss erneuert, die Figur verbessert, die Psyche stabilisiert und das ganze Repertoire neu erarbeitet werden. Dazu muss die Medienpr\u00e4senz bis zur kompletten Entpersonalisierung angepasst werden&#8230;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeine Fresse &#8211; ich will doch nur singen!\u201c so erinnert der S\u00e4nger sich in lichten Momenten an seinen damaligen Beginn &#8211; er hatte seine fr\u00fchere Begeisterung fast vergessen &#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche S\u00e4nger haben es sich zur Aufgabe gemacht, die teils skurrilen S\u00e4tze ihrer Lehrer in die Noten zu schreiben. Nicht selten gibt es pro Ton bis zu sieben verschiedenen Anweisungen. Nat\u00fcrlich ist der S\u00e4nger beim Versuch, diese zu erf\u00fcllen, stets von sich selbst entt\u00e4uscht und glaubt zunehmend, dass er unbegabt sei: denkt er an Anweisung Nr.1, vergisst er leider Anweisung Nr.4 und 7, der Lehrer jedoch mahnt nun zeitgleich an Erf\u00fcllung von Anweisung Nr.3, die ein gutes Legato vorschreibt. All\u2019 dies f\u00fchrt fr\u00fcher oder zumindest sp\u00e4ter zu einer s\u00e4ngerischen Depression, denn diesen Kampf kann man nicht gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hat eben viel zu lernen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und es ist meine teils t\u00e4gliche Unterhaltung, diese Anweisungen zu lesen: hier steht gerne mal \u00fcber einem O ein U oder noch lustiger: ein A \u00fcber einem A! \u00dcber einem Piano steht bei manchen S\u00e4ngern \u201eleise\u201c. Knaller! Besonders h\u00fcbsch sind bildhafte Umschreibungen wie: \u201ehier aufbl\u00fchen\u201c und f\u00fcr die gleiche Phrase \u201ehier das Gef\u00fchl von Stuhlgang.\u201c Die Frage ist ja, was wirklich passiert, wenn man sich vorstellen soll, ein Baum zu sein, der in seinem Inneren einen blauen Staubsauger hat. Und vor allem: woher weiss der Lehrer, wie sich dieser Baum f\u00fchlt, und welche Arie sollte dieser Baum singen, und k\u00f6nnen B\u00e4ume \u00fcberhaupt singen\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026und macht dies wirklich einen h\u00f6rbaren Unterschied? Was passiert, wenn der S\u00e4nger \u00fcber ein A ein A schreibt und was bedeutet das f\u00fcr seine intellektuellen Kapazit\u00e4ten? Was macht er, wenn \u00fcber einem A ein O steht und was tut er, wenn dann ein O gesungen werden muss? Ein A Singen? Soll das der ber\u00fchmte Vokalausgleich sein? Wohl kaum! In dem Beitrag unten sind diese Anweisungen mal scherzhaft gesammelt &#8211; und leider nicht frei erfunden. Ich hoffe, dass ich hier alle, inklusive mich selbst, ein wenig treffe &#8211; oder habe ich einige vergessen? Man sieht schnell: jeder Topf muss seinen Deckel finden, gl\u00fccklich der S\u00e4nger, der seinen Lehrer gefunden hat oder genauer formuliert: eine der gr\u00f6\u00dften Begabungen des S\u00e4ngers ist es, den richtigen Lehrer zu finden, der mit Geduld und erlerntem, fundierten Handwerk &#8211; mit prognostizierbaren Ergebnissen &#8211; einen S\u00e4nger auf seinem Weg begleitet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir eine fundierte, reflektierte Gesangsp\u00e4dagogik, die wie ein Handwerk funktioniert, frei von Esoterik und Geschwafel von Ganzheitlichkeit. Wenn man sich in seinem Unterricht auf K\u00f6rperarbeit fokussiert, sollte man wenigstens in einer K\u00f6rpertherapieform als Lehrer ausgebildet sein. Wenn Sie wirklich glauben, das untere Passagio eines dramatischen Soprans lie\u00dfe sich \u00fcber einen einzigen Kunstgriff in k\u00fcrzester Zeit erarbeiten, verwalten Sie nur Missst\u00e4nde. Dies \u00e4ndert sich auch nicht, wenn Sie einen Sitzball ins Unterrichtszimmer legen. Gesangsunterricht ist Arbeit. und eben oft eine langwierige, in der zwar Innovation gerne gesehen wird, die sich aber vornehmlich aus Traditionen, die teils viele Jahre alt sind, speist. In dieser Stimmarbeit stehen das Tun, also das Singen und das Benutzen von stimmlichen Ressourcen im Vordergrund, nicht Wissen und Verst\u00e4ndnis. Es gibt eben, so modern und verlockend es zu sein scheint, keine Gesangstechnik \u201eTo Go\u201c, hier platzt auch kein Knoten und es gibt auch nicht den Supertrick.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Denn der Trick beim Singen ist: es gibt keinen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der S\u00e4nger und sein Lehrer dies wirklich verstehen, kann echter stimmlicher Fortschritt geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir nie (auch nicht mit einem Upright MRT) k\u00f6nnen werden: einen S\u00e4nger singenderweise einmal in der Mitte durchzus\u00e4gen und reinzuschauen: daher werden auf ewig einige Mythen im Gesang bestehen bleiben &#8211; und das ist doch spannend. Trotzdem werden insbesondere die Phoniater mit ihren teils bahnbrechenden Forschungen in den n\u00e4chsten Jahren viele offene Fragen von uns Lehrenden beantworten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuchen wir, uns so nah wie m\u00f6glich an der Wissenschaft zu orientieren, die Tradition dabei nicht zu vergessen und neue, sinnvolle Praktiken von \u00fcberfl\u00fcssigem Quatsch zu trennen!<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Wege f\u00fchren nach Rom, und manchmal sind diese Wege seltsam, was ein jeder S\u00e4nger \u00fcber seinen eignen Weg sicher berichten kann &#8211; aber Rom sollte das erkl\u00e4rte Ziel sein und bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz all\u2019 der erw\u00e4hnten, teils widerspr\u00fcchlichen Einfl\u00fcsse, denen der S\u00e4nger im Laufe der Zeit ausgesetzt ist und an denen er fast zu scheitern droht, gibt es neben seiner sch\u00f6nen Singstimme noch eine innere Stimme, die sagt: \u201eSing weiter! Schei\u00df auf die Anweisungen! Sing einfach weiter!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser tiefe Impuls ist die Seele des S\u00e4ngers und diese dr\u00fcckt sich in seiner inneren und \u00e4u\u00dferen Stimme aus. Nur die eigene pers\u00f6nliche tief emotionale Art des Singens macht den Weg frei f\u00fcr echten Klang. Dies ist auch die Freiheit der Stimme: der S\u00e4nger singt gegen jede Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit, frei von jeder Kontrolle und jedweder Autorit\u00e4t &#8211; seine Seele ist ganz Klang! Dies wei\u00df auch schon die hebr\u00e4ische Sprache und hat f\u00fcr die Bedeutung Kehle und Seele das gleiche Wort entwickelt: \u201eN\u00e4fesch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie singe ich denn nun mein hohes C?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Antworten auf Fragen, die S\u00e4nger nie gestellt haben!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mythos und Wirklichkeit um das hohe C gehen oft in verschiedene Richtungen. Besonders dann, wenn von der Natur (oder vom lieben Gott?) bevorzugte S\u00e4nger dieses singen und wiederum andere diesen Vorgang kommentieren. Es ist dann oft \u00e4hnlich wie in meiner geliebten Heimat: Man gibt einem Niederrheiner ein komplexes Ger\u00e4t, sagen wir ein Messger\u00e4t mit vielen bunten Reglern und Kn\u00f6pfen, von dem er keine Ahnung hat, in die Hand und, was macht er? Er beginnt zu erkl\u00e4ren\u2026 \u00c4hnlich ist es mit dem S\u00e4nger und dem hohen C, wenn er auf einen gutmeinenden Zuh\u00f6rer trifft. Da es f\u00fcr die menschliche Tonproduktion zumindest im oralen Segment selten Sinn ergebende, kurze Erkl\u00e4rungen gibt, kann selbst der Besserwissende, oder aber auch der Gutmeinende es auch nicht wirklich erkl\u00e4ren und dies schon gar nicht in einem Satz.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal mehr stellt man fest: Das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint. Jedermann bekannt, der eine Mutter sein Eigen nennen darf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Allgemein ist die Frage, ob man &#8211; wie im restlichen Leben auch &#8211; nicht besser beraten ist, wenn der Beratende, wenn er denn \u00fcberhaupt um Hilfe gebeten worden ist, anstatt zu reden, besser handelt. Was soll man auch kommentieren? Kein S\u00e4nger der Welt tr\u00e4gt die Absicht in sich, ein hohes C schlecht zu singen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders unterhaltsam wird es, wenn nun Menschen, die noch nie ein hohes C oder gar einen anderen Ton je (vor Publikum) gesungen haben, sich hier in Ratschl\u00e4gen ergie\u00dfen. So habe ich \u00fcber die Jahre einige Anweisungen \u2013 mal pointierte, mal scherzhafte \u2013 gesammelt. Ich hoffe, ich habe niemand, auch mich selbst nicht, dabei vergessen. Oder?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Esoterischer Gesangslehrer:<\/strong>&nbsp;Wenn das hohe C dich findet wirst du es sp\u00fcren und es wird es aus deinen \u00d6ffnungen str\u00f6men!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Belcantolehrer:<\/strong>&nbsp;\u201eSing so wie ich\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Terlusollogischer Gesangslehrer:<\/strong> \u201eWann hast du Geburtstag?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Funktionaler Gesangslehrer:<\/strong> \u201eSpanne zuerst Musculus cricothyroideus an und benutze dann kr\u00e4ftig den Musculus lattisimus dorsi, um gemeinsam mit dem Buccinator den Klang der Raumakustik anzupassen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Voicecoach:<\/strong>&nbsp;\u201eIch kann zwar die Stelle grade nicht spielen, aber daf\u00fcr kann ich Dir genau zeigen, wie der Mund stehen muss!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ehemaliger S\u00e4nger:<\/strong> \u201eFr\u00fcher habe ich diesen Ton ganz locker gesungen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Korrepetitor:<\/strong> \u201eIch kann es nicht vorsingen, aber sing mal genauso wie ich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hippiegesangslehrer:<\/strong>&nbsp;\u201eLet it be!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Regisseur:<\/strong>&nbsp;\u201eDeine Stimme ist nicht im K\u00f6rper, aber r\u00e4um mal die B\u00fchne auf, dann kommt das schon und du kannst den Ton einfach schreien, das passt dann schon!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chorleiter:<\/strong>&nbsp;\u201eDie So &#8211; Die So &#8211; Die Sohohon\u00f6\u00f6\u00f6\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Russischer Gesangslehrer:<\/strong> \u201eDie Zunge muss sich etwas aufstellen und katapultiert so den Ton raus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Amerikanischer Gesangslehrer:<\/strong> Die Zunge muss ganz flachliegen und macht so Platz f\u00fcr den Ton!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yogalehrer:<\/strong>&nbsp;\u201eAus dem Innern deines K\u00f6rpers kommt der Klang, getragen vom Feueratmen!\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Phoniater:<\/strong> \u201eSind Sie privat versichert?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kollege 1:<\/strong> \u201eHier, versuch mal die Tablette!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kollege 2:<\/strong> \u201eIch wei\u00df es auch nicht, aber es tut gut dar\u00fcber zu sprechen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Psychologe:<\/strong> \u201eWar Ihre Mutter vielleicht Ihr Vater?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sprecherziehungslehrer:<\/strong> \u201eBenutze die Konsonanten als Sprungbrett!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stimmcoach:<\/strong>&nbsp;\u201eLass die Konsonanten weg!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mezzosopran:<\/strong> \u201eIch komm heute Abend vorbei und dann zeig ich es Dir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Musiktheoretiker:<\/strong> \u201eDas C steht auf der Hilfslinie, weil Du da Hilfe brauchst\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heilpraktiker:<\/strong>&nbsp;\u201eWarum willst du T\u00f6ne singen, die Du selber pressen kannst?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vermieter:<\/strong> \u201eWenn Sie so weiter singen, fliegen Sie hier raus\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dirigent:<\/strong> \u201eWenn Sie so weitersingen, fliegen sie hier raus\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Musikkritiker:<\/strong> \u201eEr erreichte das C mit M\u00fch und Not, in seinen Armen der Sopran war tot!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ganzheitlicher Gesangslehrer:<\/strong> \u201eDenke nicht an das C, f\u00fchle die Vibration des Balles durch deine Sitzh\u00f6cker auf deinen Beckenboden wirken!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Historisch informierter Gesangslehrer:<\/strong>&nbsp;\u201eVerdi hat f\u00fcr Ten\u00f6re gar kein C geschrieben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mama:<\/strong> \u201eJunge, dann sing doch einen anderen sch\u00f6nen Ton!\u201c&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"633\" height=\"950\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen2.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2258\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen2.webp 633w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen2-200x300.webp 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 633px) 100vw, 633px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">&#8222;Wie komme ich hier zum Opernhaus?&#8220; &#8211; &#8222;\u00fcben, \u00fcben, \u00fcben!&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Artikel f\u00fcr die Zeitschrift &#8222;Frankfurt in Takt&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p><strong>Warum ausgiebiges \u00dcben dem Gesang mehr schaden als n\u00fctzen kann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade komme ich von einem Meisterkurs in der Musikakademie Bydgoszcz\/Polen. Sowohl in diesem als auch in vielen anderen Kursen, die ich in den letzten 15 Jahren in der Welt gegeben habe, begegnen mir h\u00e4ufig sich \u00e4hnelnde Situationen: Sobald etwas ge\u00fcbt und vorbereitet erscheint, verliert es sofort den Zauber des Unmittelbaren und der echten Emotionalit\u00e4t. Bei diesem Kurs sang ein junges M\u00e4dchen die Arie \u201eVoi che sapete\u201c, aus Mozarts Figaro. Jedes Atemzeichen war durchs \u00dcben fixiert, die Aussprache war flei\u00dfig ge\u00fcbt worden und unterbrach das Legato ungemein, der K\u00f6rper hatte sich nach und nach durch die einstudierten Gesten, die ohne Sensitivit\u00e4t ge\u00fcbt worden waren, komplett versteift. Ein fast bemitleidenswerter Vortrag, der durch die \u00dcbung der Wiederholung des st\u00e4ndig Uninspirierten fast bis zur Unkenntlichkeit der eigenen k\u00fcnstlerisch-s\u00e4ngerischen Pers\u00f6nlichkeit hervorstach. Die typologischen s\u00e4ngerischen Kompensationen bestimmten den gesamten Vortrag der Arie Erst durch ein Singen der Habanera aus \u201eCarmen\u201c, welche die besagte S\u00e4ngerin ausschlie\u00dflich vom H\u00f6ren her kannte, konnte sie auf \u201eLa La La\u201c unter Tr\u00e4nen und begleitet vom Applaus des Auditoriums, einen Zugang zu ihrer eigenen Stimme finden, die sie \u00fcber Jahre \u201ewegge\u00fcbt\u201c hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade das Unmittelbare, das Direkte ist es, was uns Zuh\u00f6rer und auch genaue Beobachter fasziniert. H\u00e4ufig denkt man: Es sieht nur leicht aus \u2013 ist es aber nicht. Doch, ist es wohl! Musik kann nicht nur Spa\u00df und Freude machen, sondern ich m\u00f6chte hier behaupten: Musik entsteht genau daraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Musik ist sicher, neben allen anderen Umschreibungen, h\u00f6rbar gemachte Emotion. Der Musiker als Aus\u00fcbender jedoch ist in der Regel ein reproduzierender K\u00fcnstler und kann somit nur begrenzt Einfluss auf die Art und Weise der Emotion nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also handelt es sich, neben dem Verst\u00e4ndnis des Notentextes, beim \u00dcben um zweierlei: \u00dcben einer funktionalen F\u00e4higkeit zur Beherrschung eines Instruments und \u00dcben einer Emotionalit\u00e4t.Hier ist zum Thema \u00dcben eines Instruments eigentlich schon alles gesagt: Man siehe zu, dass man sein Instrument durch ein gewisses \u00dcbepensum beherrscht, alle musikalischen Parameter umsetzen kann und dann das Herz an der richtigen Stelle hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim S\u00e4nger ist dies anders gelagert, da er selbst das Instrument ist. Sobald er zu \u00fcben beginnt, startet ein seltsamer Kreislauf, am ehesten vergleichbar mit dem Psychotherapeuten, der abends nach Hause kommt, sich auf seine Couch setzt und zu sich selbst sagt : \u201eNun erz\u00e4hl mal, wie war dein Tag?\u201c. Er kann sich &#8211; ebenso wie der S\u00e4nger &#8211; nicht selbst behandeln. Hinzu kommt f\u00fcr den S\u00e4nger, dass Singen ein herrlich unreflektierter, k\u00f6rperlicher Vorgang ist, der seine Urspr\u00fcnge im Beginn der Menschheit hat. Gerade weil Singen so archaisch ist und zum Menschsein geh\u00f6rt wie keine andere Kunstform, ist es so schwierig, dies zu \u00fcben oder gar in die Form der universit\u00e4ren Lehre zu stecken. Die Kontrolle, die wir beim Instrumentalspiel unbedingt ben\u00f6tigen, f\u00fchrt beim Singen genau zu den entscheidenden Problemen. Die Kontrolle beim Singen ist, dass es keine gibt. Hieraus erkennt man, dass es f\u00fcr einen S\u00e4nger ein seltsames Unterfangen darstellen kann zu \u00fcben. Dies wird jedem sofort klar, der einen Spaziergang durch die \u00dcbeh\u00e4user der Hochschulen unseres Landes unternimmt: \u201eDies Baldnis ist bezaubernd sch\u00f6n&#8230;Dies B\u00fcldnis ist bezaubernd sch\u00f6n&#8230;dies B\u00e4ldnis ist bezaubernd sch\u00f6n&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnen wir denn beim Gesang \u00fcben?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig! Neben allen musikalischen, emotionalen Dingen geht es beim S\u00e4nger prim\u00e4r um die Koordination und den Aufbau des Gesangsorgans. Der S\u00e4nger kann h\u00f6chstens, im Bezug auf den Mechanismus des Singens, ver\u00e4nderbare Parameter \u00fcben: Resonanz, die Stimme selbst und nat\u00fcrlich die Atmung (Nicht den Atem \u2013 den kann man nicht durch \u00dcben, aber mit Pfefferminzbonbons beeinflussen&#8230;).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier sind die Ergebnisse meist nur bescheiden, weil der S\u00e4nger sich beim \u00dcben oft nur auf einen von vielen Faktoren fokussiert. Und da das Gesangsorgan ebenso weitl\u00e4ufig wie komplex ist, entstehen hier meist mehr Fixierungen als n\u00fctzliche Verbesserungen. Der Versuch beispielsweise, die Durchl\u00e4ssigkeit des Knies bewusst zu machen, hat einen \u00e4hnlichen Effekt wie die (Selbst-)Aufforderung, nicht an den ber\u00fchmten blauen Elefanten zu denken. Schon beim Drandenken entsteht die erste Fixierung. Zudem f\u00e4llt es selbst einem erfahrenen Gesangsp\u00e4dagogen h\u00e4ufig schwer, die entscheidenden Themen des Organs tagesabh\u00e4ngig zu analysieren und dann erfolgreich zu bearbeiten &#8211; wie soll dies nun der S\u00e4nger tun, dessen Geh\u00f6r durch die Knochenleitfunktion auch noch erheblich beeinflusst wird?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Lehrende arbeiten hier mit Bildern, wie zum Beispiel \u201eF\u00fchle Dich wie ein Baum und schlage Wurzeln\u201c &#8211; dann frage ich mich zun\u00e4chst immer, woher man wissen soll, wie sich ein Baum f\u00fchlt und wie dieser dann die Lieder von Duparc singen w\u00fcrde und wie denn die franz\u00f6sische Aussprache dieses Baumes ist, insbesondere bei amerikanischen Eichen (Quercus rubra)&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu aber frage ich mich, und dies mit weitaus gr\u00f6\u00dferer Besorgnis, was hier beim \u00dcben passiert: Steht der Kirchenchors\u00e4nger nun wirklich in seinem Hobbykeller und stellt sich vor, er sei ein Baum? Und falls ja, welchen Einfluss hat das auf seinen Gesang?<\/p>\n\n\n\n<p>Was der S\u00e4nger ja h\u00e4ufig beim \u00dcben tut, ist, dass er sich selbst unterrichtet. Dies geht bei vielen Instrumenten recht gut. Da man als S\u00e4nger aber selbst das Instrument ist, f\u00fchrt dies unweigerlich zu Themen, die von nicht (beruflich) singende Menschen nur schwer nachzuvollziehen sind: \u201eIrgendwie denke ich, meine Stimme hat einen Silberfaden und ich habe eine goldene Kugel auf dem Kopf, und ich wei\u00df nicht, wie ich den Regenschirm in meinem Bauch aufspannen soll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der ber\u00fchmte S\u00e4nger Jerome Hines verfasste ein Buch mit Interviews mit ber\u00fchmten S\u00e4ngern, die \u00fcber Ihre Art zu singen sprechen: \u201eGreat singers on great singing\u201c. Alle beschreiben den gleichen physiologischen Vorgang, durch ihre Wahrnehmung gepr\u00e4gt, als v\u00f6llig unterschiedlich. Wenn der bei allen Menschen vom Mechanismus her betrachtet gleiche Vorgang des Singens so unterschiedlich wahrgenommen wird, wie soll ich dies nun \u00fcben? Das bedeutet, dass Anna Netrebko, vom Aufbau her betrachtet, das gleiche Organ im Hals hat wie unser Hochschulpf\u00f6rtner. Jedoch haben beide sicherlich (und auch hoffentlich) andere Themen in ihren Gesangsorganen, die ein \u00dcben sinnvoll machen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt\u201c, meinte Schiller. Sobald der Mensch diesen Moment durch Bewusstmachung und Reflexion beeinflusst, st\u00f6rt er den wahrhaften k\u00fcnstlerischen Prozess. Den Vorgang des Singens nicht zu denaturieren, ist eine gro\u00dfe Aufgabe f\u00fcr den S\u00e4nger. So manch einer \u00fcbte schon so lange Gesang, bis er kein Gute-Nacht-Lied mehr singen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wichtige beim Singen \u00fcben, ist, dass man aufh\u00f6rt, es zu \u00fcben, dies impliziert ja bereits ein Unverm\u00f6gen. Da die Stimme in uns Menschen als vollkommenes Instrument angelegt ist, wartet dieses Organ nur darauf entdeckt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgewandelt nach Dostojewskij: Der Mensch kann nicht singen, weil er nicht wei\u00df, dass er singen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Singen ist so leicht \u2013 das pfeifen die Spatzen von den D\u00e4chern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann fangen wir mal an zu \u00fcben\u2026<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"907\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen3.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2265\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen3.webp 605w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen3-200x300.webp 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">H\u00f6ren und Handeln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Artikel f\u00fcr die Vox Humana (2017)<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p>Einen Text oder gar ein Buch \u00fcber das Singen zu schreiben ist wohl ein seltsames Unterfangen. Es kommt dem Versuch gleich, eine Analyse \u00fcber das Thema Gl\u00fcck oder Liebe oder aber noch treffender: \u00fcber eine normale Alltagst\u00e4tigkeit zu schreiben. Zudem sind die Autoren, so auch ich, meist keine Akademiker oder gar Intellektuelle, sondern schlicht S\u00e4nger oder Gesangslehrer, und dies obendrein selten beides gemeinsam auf einer gewissen Qualit\u00e4tsstufe. Und selbst dann bleibt es beim Amateurhaften, denn das wirkliche Wissen \u00fcber das Singen ist recht gering und zudem nicht vordergr\u00fcndig. Die Traditionen und Erfahrungen der Gesangp\u00e4dagogik sind verwischt und in viele Einzelteile zerfallen, was auch erkl\u00e4rt, warum es immer wieder neue Wundermethoden gibt, denen viele S\u00e4nger in ihrer Not gerne und bereitwillig den eh schon meist gering gef\u00fcllten Geldbeutel \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Singen ist zun\u00e4chst mal eine herrlich unreflektierte, hochemotionale k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeit, die unabdingbar zum Menschen geh\u00f6rt und ihm von Geburt an ureigen ist, da das Singorgan innerhalb von uns liegt. Pl\u00f6tzlich, wenn es um klassischen, kunstvollen Gesang geht, denken wir, es m\u00fcssten Musikschulen oder gar Hochschulen gebaut werden, um in diese Institutionen Menschen zu stecken, die von Wissenden unterwiesen werden, um das Unreflektierte zu reflektieren, die Emotionen beim Singen zu kontrollieren und den K\u00f6rper zu beherrschen. Hier beginnt ein seltsamer Prozess der Denaturierung. Es ist also eine Herausforderung, sich diesem Paradoxon in der Gesangsausbildung, mit etwas von Natur aus Unreflektiertem als Lehrender reflektiert umzugehen, sinnvoll zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um der Bitte des BDG wenigstens halbwegs nachkommen zu k\u00f6nnen und meinen Versuch hier nicht in die Pseudopraxis&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas w\u00e4re, wenn wir das h\u00f6ren w\u00fcrden?\u201ceinzureihen, versuche ich an dieser Stelle lieber etwas Licht in die Betrachtung des Gesangs und der Gesangp\u00e4dagogik zu werfen, um \u2013 zumindest scheinbar \u2013 seri\u00f6s zu erscheinen. Und selbst dies ist dann nur meine Sichtweise \u2013 eine andere habe ich schlie\u00dflich nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Singorgan ist allen Leserinnen und Lesern hinl\u00e4nglich bekannt und bedarf sicher bez\u00fcglich des Aufbaus keiner weiteren Erkl\u00e4rung. Ein verantwortungsvoller Gesangslehrer kennt den Aufbau des Organs und die dazugeh\u00f6rige Fachliteratur. Insbesondere im BDG sind und waren hervorragende Phoniater aktiv, die aus medizinischer Sicht grundlegende schriftliche Beitr\u00e4ge geliefert haben. Besonders in diesem Bereich hoffe ich f\u00fcr die Zukunft auf weitere Erkenntnisse, um die Br\u00fccke zwischen Forschung und gesangsp\u00e4dagogischer Tradition tragf\u00e4higer zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns als Stimmerzieher stellt sich die Frage nach direkt ver\u00e4nderbaren, konkret benennbaren Parametern im&nbsp;Umgang mit der Stimme. Als Gegensatz hierzu sei ein Arbeiten mit dem Versuch, Wahrnehmungen zu \u00fcbertragen, genannt. Die Wahrnehmung des S\u00e4ngers (und oft auch des Lehrers) ist ein kunterbuntes Etwas, welches teilweise an abstrusen Ideen kaum zu \u00fcberbieten ist. Diese Wahrnehmung ist nur \u00e4u\u00dferst selten von einem auf den anderen Menschen \u00fcbertragbar und somit f\u00fcr mich kein&nbsp;sinnvolles p\u00e4dagogisches Werkzeug. Aus diesem Grunde betrachte ich einen bildhaften Unterricht, der sich prim\u00e4r an Wahrnehmung orientiert oder diese gar vorschreibt, selten als seri\u00f6s. Bitte \u00fcberdenken Sie beim n\u00e4chsten Mal im Unterricht den Satz: \u201eSei wie ein Baum.\u201c Wie ginge es Ihnen, wenn man Ihnen sagen w\u00fcrde: \u201eSei wie ein Baum!\u201c? Woher wei\u00df Ihr Lehrer, wie sich ein Baum f\u00fchlt, woher sollen Sie es wissen? Und au\u00dferdem: Wie viele Opernhauptrollen wurden f\u00fcr B\u00e4ume komponiert? Aber&nbsp;wie so oft gilt auch hier: Wer heilt, hat recht. Es mag S\u00e4nger geben, die mit dieser oder einer anderen Vorstellung besser singen. F\u00fcr mich kann eine solche \u201eMethode\u201c jedoch keine Basis einer stimmerzieherischen Arbeit sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss in der Gesangsp\u00e4dagogik um konkret ver\u00e4nderbare Parameter im Singprozess gehen &#8211; diese sind schnell aufgezeigt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die Resonanz<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Stimmfalten mit Kehlkopf und umliegender Muskulatur<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Atmung<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Dies sieht zun\u00e4chst nach einem \u00fcberschaubaren Themengebiet aus. In jedem Fall sind dies die Hauptbet\u00e4tigungsfelder des Stimmerziehers. Alles andere ist nebens\u00e4chlich und meist sogar im Rahmen des Gesangsunterrichts nicht erforderlich. Hier ist folgende Begriffskl\u00e4rung von N\u00f6ten: H\u00e4ufig wird, ob im privaten Rahmen oder an jeglicher Art von Institution, der Beruf des Gesangslehrers mit dem des Korrepetitors verwechselt, so dass im Gesangsunterricht unter oft m\u00e4\u00dfiger Klavierbegleitung anstelle von Stimmarbeit das zu singende Werk interpretiert wird. Hierdurch wird aber zum Beispiel nicht das untere Passagio eines Mezzosoprans erarbeitet! Auch wenn man drei\u00dfigmal die Kartenarie der Carmen singt! An dieser Stelle w\u00e4re es eigentlich angebracht, noch einmal \u00fcber den Begriff \u201eGesangslehrer\u201c und seine Aufgaben nachzudenken: An Musikschulen und im privaten Unterrichtsbereich stellen sich durchaus andere und oft umfassendere Aufgaben als an Hochschulen. F\u00fcr die Betrachtung dieses Themas ist im vorliegenden Artikel leider nicht genug Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu den ver\u00e4nderbaren Parametern: Was kann ich ver\u00e4ndern und was nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Thema Resonanz:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Resonanz sind die Wahrnehmungen sehr unterschiedlich und die Berichte von S\u00e4ngern \u00fcber ihr eigenes Singen oft recht abenteuerlich. Stellen wir uns kurz die Stirnh\u00f6hlen als Resonator vor: Einige S\u00e4nger k\u00f6nnen dies sofort nachvollziehen und tats\u00e4chlich \u00e4ndert sich sogar in einigen F\u00e4llen der Klang. Aber wahrhaftig \u00e4ndert sich an dem Raum Stirnh\u00f6hle schlicht nichts. (Auch wenn manche S\u00e4nger den Eindruck hinterlassen, dass mehr als nur die Stirnh\u00f6hle hohl sein k\u00f6nnte\u2026nat\u00fcrlich nur klanglich betrachtet&#8230;) Die Stirnh\u00f6hle an sich ist also ein nicht ver\u00e4nderbarer Parameter.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Dinge sind aber im Bereich Resonanz konkret beeinflussbar? Hier sei zun\u00e4chst die Mund- und Schlundresonanz genannt: Wenn Sie zum Beispiel Synchronsprecher der Mainzelm\u00e4nnchen werden m\u00f6chten, ist es sicher sinnvoll, diese Resonanz eher zu verkleinern und damit die Chancen auf eine Anstellung in diesem Berufsfeld zu erh\u00f6hen. F\u00fcr den klassischen S\u00e4nger, der mit seiner Stimme ganze S\u00e4le \u00fcber ein Orchester hinweg beschallen m\u00f6chte, sollte die Resonanz eher ins Gegenteilige geformt werden, um so neben einigen anderen Parametern zum Beispiel auch gewollte Formanten zu unterst\u00fctzen. Dies ist bei guten und bedeutenden (nicht unbedingt gleichbedeutend mit erfolgreichen) S\u00e4ngern leicht zu beobachten. Dazu gesellt sich der Nasenrachenraum, der eine wichtige Rolle f\u00fcr den S\u00e4nger spielt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies alles erfordert jahrelanges \u00dcben, zun\u00e4chst mithilfe des Stimmerziehers, dann aber v\u00f6llig selbst\u00e4ndig singenderweise.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Thema Stimmfalten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stimmfalten selbst sind von kardinaler Bedeutung und verlangen dem Stimmerzieher gr\u00f6\u00dfte H\u00f6rkonzentration ab. Wie schlie\u00dfen die Stimmfalten? Wie dehnen sie und wie stark kann man sie kontrahieren? Darf ich beides mit meinem Sch\u00fcler \u00fcben? Welche individuellen Schw\u00e4chen und St\u00e4rken gibt es? In welcher Verfassung ist die Muskulatur um den Kehlkopf, die quasi wie eine Verbindung zur Atmung fungiert? Gibt es etwas Pathologisches zu h\u00f6ren? Der Verfall einer Singstimme hat immer hier ihren Anfang. Genau dort beginnt, zun\u00e4chst nicht immer f\u00fcr den Phoniater sichtbar, das Ende einer Stimme. Der Stimmerzieher tut gut daran, sich immer und best\u00e4ndig diesem Thema weiter zu n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Thema Atmung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00fctze bringt den gro\u00dfen Singprozess erst in Gang und ist ein starker k\u00f6rperlich-emotionaler und vor allen Dingen dynamischer Prozess. Meist ist dieser gro\u00dfe Vorgang durch Erziehung und oft auch durch gesangliche Erziehung gest\u00f6rt, so dass enorme Aufgaben auf den Stimmerzieher warten. Besonders Berufss\u00e4nger weisen oft eine starke Betonung der Einatmungsmuskulatur auf und k\u00f6nnen diese auch k\u00f6rperlich anzeigen. Manchmal auch hier mit abstrusen Ideen: \u201eDie Luft kommt aus dem Bauch.\u201c (Anmerkung: Luft, die einmal im Bauch ist, sollte nicht f\u00fcr Gesang verwendet werden! Nicht zuletzt aus olfaktorischen Gr\u00fcnden&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese oft seltsamen Fiktionen stammen aus der schon benannten subjektiven Wahrnehmung, in diesem Falle der Atmungs- und auch Atmungshilfsmuskeln, die der S\u00e4nger beim St\u00fctzen deutlich sp\u00fcren kann. Hier sind besonders die hinteren unteren R\u00fcckenmuskeln und die Flankenmuskeln von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung: Sie schalten sich mit der gesamten Rumpfmuskulatur und der \u00e4u\u00dferen Kehlkopfmuskulatur zusammen und bilden so dieses gro\u00dfe Ganze, was wir Singen nennen. Insbesondere im Hochleistungsbereich f\u00fcr Singstimmen ist dies unerl\u00e4sslich und bewirkt einen gro\u00dfen, tragf\u00e4higen, unforcierten Klang.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da der BDG sich f\u00fcr eine einheitliche Nomenklatur in der Gesangsp\u00e4dagogik einsetzt, sei hier erw\u00e4hnt, dass Atem und Atmung zwei sehr unterschiedliche Dinge und Begriffe sind, die selbst in der Fachliteratur manchmal verwechselt werden. Sollten Sie also Ihren Atem beeinflussen wollen, lutschen Sie lieber Minzbonbons.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie alle Bereiche unserer Stimme ist insbesondere der St\u00fctzvorgang durch eine intellektuelle Benennung oder gar Fixierung (\u201eAtme dort hin&#8220;) extrem anf\u00e4llig f\u00fcr die eingangs benannte Denaturierung des Singvorgangs. Gleichzeitig ist es aber f\u00fcr den Stimmerzieher von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, diesen sehr emotionalen Prozess im Unterricht zu intensivieren oder \u00fcberhaupt erst in Gang zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier sto\u00dfen wir auf das gro\u00dfe Problem unseres Berufs: Wie sollen wir etwas beibringen, was unser Gegen\u00fcber, also unser Sch\u00fcler, eigentlich von Natur aus bereits kann? Der S\u00e4nger sp\u00fcrt schlie\u00dflich weder seinen Hals noch die Vorg\u00e4nge innerhalb der Kehle \u2013 wenn er denn gesund ist und gut singen kann. Wie bringt man also dieses Nicht-Empfinden bei, und wie vermittelt man dies? Wir freuen uns doch \u00fcber den Satz des Sch\u00fclers: \u201eJetzt ging es viel leichter.\u201c Der S\u00e4nger, der mit Druck seine Kehle maltr\u00e4tiert, sp\u00fcrt diesen Druck ganz immens. Manchmal gewinnt er diesen Druck auch lieb und beh\u00e4lt ihn als st\u00e4ndig zu kontrollierenden Partner ein Leben lang. Ihm nun zu sagen, er solle nicht mehr dr\u00fccken, ist so ungl\u00fcckselig, wie einem Patienten unmittelbar nach der Beinbruchoperation zu sagen, er solle die Kr\u00fccken weglassen: Er kann es nicht, weil der Druck zur Notwendigkeit geworden ist. Hier sei erw\u00e4hnt, dass hierzu oft sogar eher die musikalischeren S\u00e4nger neigen, denn sie haben auch bei stimmlichem Unverm\u00f6gen den unbedingten Drang, ihre musikalischen Empfindungen ausdr\u00fccken zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir ben\u00f6tigen also als Gesangslehrer ein umfangreiches medizinisches Wissen, sollten in allen K\u00f6rpertherapieformen ausgebildet sein, sollten das gesamte Repertoire aller Stimmf\u00e4cher auswendig kennen und mindestens 100 Jahre Erfahrung im Lehren haben. Au\u00dferdem sind wir Meister aller psychologischen Ph\u00e4nomene und k\u00f6nnen diese mit nur einem Satz heilen. Und als P\u00e4dagogen sind wir, obwohl wir dies selten studiert haben, absolut unanfechtbar. Zus\u00e4tzlich sind wir herausragende und mit einer langj\u00e4hrigen Erfahrung versehene K\u00fcnstler, die niemals auch nur einen Ton unmusikalisch oder gar gesangstechnisch fehlerhaft singen. Ist nicht Gesangslehrer der undenkbarste Beruf f\u00fcr einen S\u00e4nger&#8230;? Diese Aufgaben sind so umfangreich und eigentlich kaum zu bew\u00e4ltigen \u2013 und dennoch versuchen wir es alle immer wieder: was f\u00fcr eine herrliche Berufung!<\/p>\n\n\n\n<p>Der S\u00e4nger sollte unreflektiert aus dem Vollen sch\u00f6pfen und mit Kehle und Seele singen \u2013 wir als Lehrende sollten im Gegensatz unser Tun st\u00e4ndig reflektieren und verbessern. Erfahrung hat hier nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Bedeutung \u2013 dennoch: hinterfragen Sie alle \u00dcbungen, Ihre eigenen und auch die der gro\u00dfen Meister (falls es diese heute \u00fcberhaupt noch gibt). Seien Sie kritisch, was Methoden und insbesondere Methodengl\u00e4ubigkeit angeht. Oft wird hier die Methode anstelle eines individuellen Sch\u00fclers unterrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>In jeder Stunde sollte auch musiziert werden. Das sinnlose Aufeinanderfolgen von irgendwelchen \u00dcbungen, die schablonenhaft von einem auf den anderen Sch\u00fcler \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, wird schnell zum Selbstzweck und verliert den Bezug zum eigentlichen Ziel, mit der Stimme Emotionen musikalisch auszudr\u00fccken. Der Gesangslehrer m\u00f6chte sich dabei aber, wie schon beschrieben, \u00fcber den Unterschied zwischen Stimmerziehung und musikalischer Arbeit im Klaren sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Konzentrieren Sie Ihre Arbeit auf das, was Sie TUN, und nicht auf das, was sie BENENNEN. Beschr\u00e4nken Sie sich auf das, was Sie k\u00f6nnen, und vermischen Sie nicht alles mit Ihren subjektiven Erfahrungen. Ein Wochenendworkshop in Yoga macht Sie nicht zum Yogagesangslehrer. Zudem ist diese Form von K\u00f6rperarbeit keine Gesangstechnik, aber dennoch k\u00f6nnte zum Beispiel Yoga diese ungeheuer unterst\u00fctzen. Ein Gummiball in Ihrem Zimmer macht Sie nicht zum ganzheitlichen Gesangslehrer \u2013 diese \u00dcberzeugung w\u00e4re, mit Verlaub, als Affront gegen alle gut geschulten K\u00f6rpertherapeuten zu werten.Schauen und h\u00f6ren Sie genau hin \u2013 ist diese oder jene Verspannung des Singenden m\u00f6glicherweise eine Kompensation eines nicht gut koordinierten Singorgans oder eben der Ausdruck h\u00f6chster Musikalit\u00e4t in einem zu schwer ausgew\u00e4hlten Musikst\u00fcck?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie sich f\u00fcr Unterrichtmittel abseits der oben genannten Parameter interessieren, dann empfehle ich uneingeschr\u00e4nkt, dies mit gr\u00f6\u00dftem Interesse zu tun, sich mit gro\u00dfer Offenheit zu n\u00e4hern und trotzdem kritisch zu hinterfragen, ob mithilfe dieser Unterrichtsmittel eine Verbesserung im Singen erreicht wird. Was man glaubt f\u00fcr sich selbst gefunden zu haben, muss nicht auf alle Sch\u00fcler zutreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz allem Gesagten gilt: Viele Wege f\u00fchren nach Rom! Wie viele bedeutende S\u00e4nger der Gegenwart und der Vergangenheit kennen wir, die mit ihren typologischen Verspannungen und Unarten eine gro\u00dfe Karriere gestalten konnten?<\/p>\n\n\n\n<p>Bedenken Sie als Lehrende immer: Niemand singt mit Absicht schlecht! Halten Sie sich mit einer verbalen Abwertung zur\u00fcck und bearbeiten und verbessern Sie lieber, was Sie h\u00f6ren. Wenn der Sch\u00fcler es besser k\u00f6nnte, w\u00fcrde er es ja machen. Eine Abwertung ist hier sicher nicht hilfreich. Also: H\u00f6ren und sofort handeln \u2013 tun statt nur zu benennen!<\/p>\n\n\n\n<p>Hospitieren Sie bei guten Gesanglehrern \u2013 diese sind z.T. an Hochschulen zu finden \u2013 es gibt aber auch viele gute Lehrer, die ganz im Verborgenen arbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bleiben Sie neugierig auf das, was in unserem sch\u00f6nen Beruf t\u00e4glich passiert, und hoffen wir f\u00fcr uns alle, dass wir mit jedem Tag ein bisschen besser unterrichten.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"606\" height=\"804\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen4.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2267\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen4.webp 606w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen4-226x300.webp 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Das Wesentliche ist unsagbar! Aber singbar?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Interview mit Thomas Heyer (Sommer 2015)<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p>Brigitte Lehner: Lieber Herr Professor Heyer, warum singen Sie?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Den Professor brauchen wir zum Singen nicht! Gegenfrage: Warum singen WIR? Also: Warum singt der Mensch? Antwort: Es ist seine Natur, es ist normal. Der Mensch ist ein S\u00e4nger, seine Natur ist es zu singen &#8211; nicht im beruflichen Sinn, nicht jeder Mensch sollte sein Geld mit Singen verdienen. Aber der Aufbau des Organs ist physiologisch betrachtet \u00fcberall der gleiche, und mit diesem wunderbaren Instrument m\u00f6chte der Mensch gerne singen. Singen ist f\u00fcr den Menschen eine Lebens\u00e4u\u00dferung. So ist es bei mir auch &#8211; ich kann mich nicht erinnern, dass es einen Tag in meinem Leben gab, an dem ich nicht gesungen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: &#8230;und sprechen?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer (lacht): Ja, sprechen kann ich auch, aber das ist wieder eine intellektuelle T\u00e4tigkeit &#8211; singen ist eine emotionale T\u00e4tigkeit, die den ganzen K\u00f6rper benutzt und zun\u00e4chst nicht intellektuell motiviert ist. Singen ist Emotion, Sprechen ist leider viel zu oft nur Information, und diese ist leider h\u00e4ufig \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Zur\u00fcck zu Ihnen: Wann haben Sie mit dem Singen angefangen?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Wahrscheinlich wie alle Menschen im S\u00e4uglingsalter mit pentatonischem Gelalle, welches im \u00fcbrigen wirkliches Singen ist.Als Kind habe ich viel gesungen, und dann lernte ich schnell Instrumente spielen: Akkordeon, Orgel und viel sp\u00e4ter noch Klavier &#8211; da bin ich aber eigentlich eher Autodidakt. Seit meiner Kindheit stehe ich regelm\u00e4\u00dfig auf der B\u00fchne. Ich habe mir damit schon fr\u00fch mein Taschengeld verdient, besonders mit Unterhaltungsmusik, da sang ich Schlager oder wurde als Barpianist engagiert. Zum eigenen Spiel zu singen, fand ich immer schon v\u00f6llig normal.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Wer hat Sie entdeckt?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: So kann man das nicht sagen! Es kam niemand und hat gesagt: Du wirst mal ein guter S\u00e4nger oder ein Gesangsprofessor. Ich habe vielen Menschen viel zu verdanken, besonders denen, die lange vor der K\u00f6lner Hochschule wichtige Grundsteine in meine Musikerseele gelegt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Ihre Eltern?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Nat\u00fcrlich! Das Wichtigste, was man einem Menschen geben kann ist Herzensbildung. Aber auch viele andere wichtige Dinge, und viel Unterst\u00fctzung. Ich komme aus einfachen Verh\u00e4ltnissen. Meine Mutter ist Hausfrau, und mein Vater ist Schlosser. \u201eDu musst eine gute Arbeit machen\u201c, sagt er immer. Gesang ist Handwerk, und ein S\u00e4nger, besonders ein Gesangslehrer, ist auch immer ein Handwerker.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Sie haben an der Musikhochschule in K\u00f6ln studiert. Wie war das so?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Eine wunderbare Zeit, in der ich viel gelernt habe. Ich studierte Schulmusik mit Hauptfach Gesang. Das war absolut das richtige Studium f\u00fcr mich. Ich konnte alles machen, was mich interessierte: Singen, Ch\u00f6re und Orchester dirigieren, Klavier spielen, viel Musik kennenlernen. Ich habe alles aufgesogen, denn alles war neu &#8211; ich bin ja nicht mit klassischer Musik aufgewachsen. Dazu habe ich P\u00e4dagogik und Germanistik an der K\u00f6lner Uni studiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Ch\u00f6re haben Sie doch bereits vor dem Studium geleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer (lacht): Ja ja, v\u00f6llig ahnungslos &#8211; aber wir hatten viel Freude an der Musik. Das war mein Jugendchor. Viele tolle Menschen auf einem Fleck. Freunde und Musiker &#8211; so, wie ich es heute noch mag. Sp\u00e4ter habe ich viele Ch\u00f6re geleitet, und tats\u00e4chlich habe ich nun nach \u00fcber 15 Jahren Pause wieder angefangen Projektch\u00f6re zu leiten &#8211; mal sehen, was doch noch so kommt.Aber ich habe vor dem Studium noch mehr abenteuerliche Sachen gemacht: komponiert! Sehr schlecht, aber sch\u00f6n. Ein Musical zum Abitur, welches ich dann auch mit meinen Mitabiturienten einstudiert und aufgef\u00fchrt habe, und auch anderes Zeug, wie lateinische Messen u.s.w. Aber das war wirklich nicht so dolle. W\u00e4hrend meines Studiums habe ich mich daf\u00fcr gesch\u00e4mt, weil es eben nicht so gut war. Heute habe ich wieder mehr Mut und komponiere in meiner Freizeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Und dann studierten Sie Gesang?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Nein, erst kam ein kleines Engagement am Opernhaus Hagen, noch als Schulmusikstudent. Das war \u00fcbrigens auch das erste Mal, dass ich ein Opernhaus von innen gesehen habe. Erst danach studierte ich dann Gesang in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Wer waren Ihre Lehrer?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Vor dem Studium Judith Lindenbaum, sie war meine wichtigste Lehrerin.In K\u00f6ln studierte ich bei Arthur Janzen. Ein wirklich toller Lehrer &#8211; er verstand es, aus dem Naturereignis Thomas Heyer einen S\u00e4nger zu schmieden. Arthur Janzen und Judith Lindenbaum kamen beide aus der Tradition von Frederik Husler und haben bei Prof. Theo Lindenbaum in Detmold studiert.Sp\u00e4ter nahm ich Unterricht bei Reinhard Leisenheimer und Kurt Moll.Zu allen Lehrern verbindet mich bis heute eine enge Freundschaft. Mit dem leider verstorbenen Reinhard Leisenheimer durfte ich sogar einige Jahre gemeinsam Kurse geben, da habe ich viel gelernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Nach dem Studium haben Sie Ihre Karriere als S\u00e4nger begonnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Ich mag das Wort Karriere nicht so gerne, das klingt so nach ber\u00fchmt, und das bin ich sicher nicht und m\u00f6chte es auch nicht sein.Ich habe bereits w\u00e4hrend des Studiums viel gesungen &#8211; Engagements am K\u00f6lner Opernhaus, am Theater im Revier Gelsenkirchen, an der Frankfurter Oper und so weiter. Im Konzertfach lief es auch ganz gut: da konnte ich schon mit Mitte 20 in den gro\u00dfen S\u00e4len wie der Berliner Philharmonie, der K\u00f6lner Philharmonie, dem Leipziger Gewandhaus und \u00e4hnlichen Musentempeln in Europa singen. Meist waren es Mozart und Mendelssohn, und eben Carmina Burana, aber auch vieles andere Bedeutende und Unbedeutende. Und viel Bach. Die Evangelisten in den Passionen sind zentrale Punkte in meinem K\u00fcnstlerdasein, weil sie Religiosit\u00e4t und Singen verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Mit 35 Jahren wurden Sie pl\u00f6tzlich Professor in Frankfurt &#8211; wie kam es dazu?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Naja &#8211; so pl\u00f6tzlich war es auch nicht. Bis zu einem Berufungsverfahren dauert es schon eine Zeit. Bereits viele Jahre davor unterrichtete ich an Hochschulen und Universit\u00e4ten und gab Masterclasses in verschiedenen L\u00e4ndern. Neben dem Singen unterrichte ich inzwischen schon sehr lange &#8211; in diesem Jahr bereits \u00fcber zwanzig Jahre. Und davor hatte ich bereits als Jugendlicher Instrumentalunterricht gegeben. Irgendwie habe ich immer unterrichtet. Am Anfang wahrscheinlich eher schlecht als recht &#8211; die ersten Gesangssch\u00fcler waren einige Choristen meines Jugendchores, die vor der Probe Einzelunterricht bei mir hatten. Als S\u00e4nger und Gesangslehrer zu arbeiten ist mein Traumberuf! Ich habe eine wunderbare Klasse mit tollen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern an der Frankfurter Hochschule. Diese Klasse liegt mir sehr am Herzen &#8211; es sind wunderbare Menschen!<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Warum geben Sie Meisterkurse?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Ganz einfach: Es bereitet mir gro\u00dfe Freude, diese Arbeit zu tun. Und, ehrlich gesagt, empfinde ich dies nicht als Arbeit. Vor vielen Jahren entwickelte ich ein eigenes Konzept f\u00fcr Kurse, mit drei Unterrichtseinheiten t\u00e4glich f\u00fcr jeden Teilnehmer: eine Einheit Technik, dann Repertoirearbeit mit dem Pianisten und dann eine Vorsingsituation vor der Gruppe. So konnten schon mit vielen hunderten S\u00e4ngern ganz gute Ergebnisse eingefahren werden. Die Kurse finden statt in Amerika, Kanada, Italien und nat\u00fcrlich in Deutschland. Neuerdings auch in Slowenien &#8211; was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Land! In diesem Jahr gebe ich einen Kurs in Polen in Sosniviec, der Geburtsstadt von Jan Kipura, dem ber\u00fchmten polnischen Tenor.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Was ist wichtig f\u00fcr einen S\u00e4nger?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Das Wichtigste f\u00fcr den S\u00e4nger ist tats\u00e4chlich seine Stimme, dann erst kommt Musik und Interpretation. Wenn die Stimme wirklich gut funktioniert und die ihr eigene Musikalit\u00e4t freigesetzt werden kann, wird interpretatorisch ganz viel kommen. Die Stimme hat dann quasi eigene Ideen! Musikalit\u00e4t wird also nicht von au\u00dfen herangetragen, sondern eher von innen heraus geweckt! Erst eine aufgeschlossene Stimme kann im klassischen Bereich die Emotionen h\u00f6rbar machen, die ihr Tr\u00e4ger innerlich ganz wahrhaftig empfindet. Das ist ein Prozess, der mich immer wieder fasziniert. Alles andere ist leider oft mit wenig oder gar keiner Wahrhaftigkeit versehen. Kunst und k\u00fcnstlich liegen da oft nah beieinander. Mehr noch, manchmal werden sogar Stimmeinschr\u00e4nkungen als Stilmittel ausgerufen, wenn z.B. eine S\u00e4ngerin, die \u00fcber ein unregelm\u00e4ssiges Vibrato verf\u00fcgt auf barocke Musikreduziert wird. Dann doch lieber Popular Musik, die ehrlich musiziert und gesungen wird und in der Phonasthenien sogar stilbildend sein k\u00f6nnen. Letztendlich z\u00e4hlt, dass man mit dem Herzen singt egal in welchem Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Was bedeutet das f\u00fcr den S\u00e4nger?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Wahrhaftigkeit findet man sicherlich nicht in der 37654 Pressung einer CD von Anna Netrebko oder gar in den Youtube Videos dieser wunderbaren S\u00e4ngerin. Das sind Reproduktionen derWirklichkeit und nicht die Wirklichkeit. Somit verroht die Sinnlichkeit des H\u00f6rens und folglich auch die des Singens. Singen kann man am besten erleben, wenn man es tut oder es live wahrnimmt, nicht indem man einen S\u00e4nger auf Grund seiner CD, die im Studio mit viel technischerRaffinesse erstellt wurde, bewertet. Dar\u00fcber hinaus ist es schwierig, Musik in elektroakustischer Wiedergabe zu empfinden, es bleibt beim konsumieren und eben nicht im sinnlichen Erleben. Der Ton des S\u00e4ngers ist fl\u00fcchtig, daf\u00fcr aber wahrhaftig. Dies geschieht durch Spiegelneuronen, die es nur im Augenblick der Produktion gibt und die in der Reproduktion extrem minimiert werden. Das weiss jeder Mensch, der sein Gegen\u00fcber fragt, wie es ihm gehe. Die Antwort ist immer authentisch, sogar dann, wenn das Gegen\u00fcber die Unwahrheit sagt. Man sp\u00fcrt es. Diese Sinne gehen uns jedoch nach und nach verloren. Aber das ist wohl ein Grossteil des heutigen Lebens. Gespr\u00e4che werden zum Beispiel online oder per SMS gef\u00fchrt und weniger Aug in Aug. Der Gesang eines Operns\u00e4ngers aber auch das Gute Nacht Lied einer Mutter sind daf\u00fcrverantwortlich diesen Zust\u00e4nden wahrhaftig und quasi offline entgegenzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Welche Dinge sind wichtig im Gesangsunterricht?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Das kann man nicht wirklich gut pauschal beantworten. Aber ich kann Ihnen sagen, was f\u00fcr meinen Unterricht wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der Grundlagen ist eine P\u00e4dagogik, die den Sch\u00fcler akzeptiert, wie er ist. Kein Mensch kommt in den Unterricht und singt extra schlecht. Das hei\u00dft: Wenn etwas stimmlich nicht gelingt, sollte man es zun\u00e4chst nicht bewerten, sondern bearbeiten. Mein Unterricht ist deshalb nicht unbedingt Gesangsunterricht im konventionellen Sinne, es ist eher Stimmerziehung. Wann welches \u201et\u201c wie abgesprochen wird, ist wichtig, aber nicht vorrangig in meinem Unterricht &#8211; das machen an Hochschulen und bei Kursen meine wunderbaren Kollegen in der Korrepetition. Die k\u00f6nnen das auch besser als ich. \u00c4hnlich ist es mit der Interpretation: Wenn ich etwas dazu sage, sind es eher Hinweise, Vorschl\u00e4ge oder Hintergrundinformationen zum St\u00fcck oder Komponisten. Der S\u00e4nger muss seine Interpretation jedoch selbst empfinden und nicht von au\u00dfen aufgesetzt bekommen, wie so oft \u00fcblich. Ich m\u00f6chte nicht, dass meine Sch\u00fcler Schumanns Dichterliebe mit meinen Ideen singen, sondern mit ihren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen ausf\u00fcllen. Wenn da nichts vom Sch\u00fcler kommt, sehe ich mich verpflichtet zu sagen, dass der S\u00e4ngerberuf keinen Sinn hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres wichtiges Element im Unterricht ist nat\u00fcrlich eine gesunde Gesangstechnik &#8211; und da gibt es so viele Ansichten, wie es Gesangslehrer gibt. Bei mir sind ver\u00e4nderbare Parameter wichtig. Eine Stirnh\u00f6hle kann ich nicht ver\u00e4ndern, au\u00dfer vielleicht mit einem gro\u00dfen Hammer (lacht), aber die Koordination einer Muskulatur kann ich sehr wohl bearbeiten. Dehnt die Stimmfalte, oder dehnt sie nicht? Schlie\u00dft die Stimme, und falls ja, in welcher Qualit\u00e4t?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Die Stimme selbst ist der kardinale Faktor, den ich nat\u00fcrlich bearbeite.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Thema Resonanz ist sehr wichtig. Hier k\u00f6nnen wir mit guten \u00dcbungen optimale Ergebnisse erzielen, so dass z.B. S\u00e4ngerformanten h\u00f6rbar werden, die sehr wichtig f\u00fcr Berufss\u00e4nger sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das Thema St\u00fctze: Wenn man sich bem\u00fcht, Appoggio durch eine Vorstellung zu erarbeiten, wird man lange unterwegs sein. Durch Vorstellung allein erarbeitet sich die Muskulatur doch eher langsam, von Koordination ganz zu schweigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf meinen Kursen treffe ich immer wieder viele S\u00e4nger mit schwacher Ausatmungsmuskulatur &#8211; das wird dann nat\u00fcrlich mit dem Zwerchfell kompensiert, welches aber leider ein Einatmungsmuskel ist. Gerade bei Berufss\u00e4ngern dauert es dann l\u00e4nger, die Koordination zwischen Stimme und Atmungsorgan wieder herzustellen &#8211; man f\u00fchrt es quasi wieder zur\u00fcck in den Naturzustand.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Arbeiten Sie auch mit dem K\u00f6rper?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: M\u00f6gen Sie einmal eine St\u00fctz\u00fcbung mit mir machen? Dann k\u00f6nnen Sie erleben, wie kraftvoll und energetisch Gesang sein kann. Das ist K\u00f6rperarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Gesangslehrer sollte man sich auf die Bearbeitung der eben genannten, ver\u00e4nderbaren Parameter fokussieren. Immer wieder sehe ich anstelle von Gesangsunterricht eine nicht fundierte esoterische K\u00f6rperarbeit, die f\u00fcr alles gleichzeitig helfen soll. So etwas ist eine Beleidigung f\u00fcr jeden gut geschulten K\u00f6rpertherapeuten. Ich bin nicht als K\u00f6rpertherapeut ausgebildet und kann deshalb K\u00f6rperarbeit auch nur sehr begrenzt im Unterricht einsetzen, was ich auch so richtig finde. Eine Verspannung, die ausschlie\u00dflich w\u00e4hrend des Singens auftritt, ist ja meist nicht k\u00f6rperlich-pathologisch, sondern vielmehr eine Kompensation, die in dieser singenden Situation notwendig ist und nicht aus muskul\u00e4rer oder gar intellektueller Dummheit entsteht. Der S\u00e4nger kann in dem Moment nicht anders. Nur wenn der S\u00e4nger die richtige zum Singen ben\u00f6tigte Muskulatur verwendet &#8211; und das zeigen wir ihm im Gesangsunterricht &#8211; werden diese Verspannungen verschwinden, und das Stimmorgan wird in seiner Gesamtheit zu h\u00f6ren sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso ist es mit Unterricht, der auf Vorstellungen und Bildern basiert: Diese k\u00f6nnen zwar helfen, sind aber durch ihre individuelle Pr\u00e4gung nur begrenzt sinnvoll, und erarbeiten sicher auch nicht ein unteres Passagio eines Mezzosoprans oder \u00e4hnlich komplexe und langwierige Dinge in der Stimmkoordiantion. Ein Bild ist immer pers\u00f6nlich und deshalb schwierig zu \u00fcbertragen und manchmal auch abstrus in der Umsetzung. Bildhafte Vergleiche im Gesang sind nicht nur hinkend, sondern oft auch schlicht falsch und oft nicht zielf\u00fchrend. Singen Sie n\u00e4chsten Sonntag in der Kirche beim Gloria besser, wenn ich Ihnen sage, dass Sie dabei an einen Baum denken sollen, der Wurzeln schl\u00e4gt? Die wenigsten von uns waren im vorigen Leben B\u00e4ume und ich halte so was nicht f\u00fcr seri\u00f6sen Gesangsunterricht. Ebenso unsinnig sind irgendwelche Tonskalen, die in einer fast zuf\u00e4lligen Reihenfolge abgesungen werden. Aber glauben Sie mir: Ich habe hier absolut unsinnige Praktiken gesehen, die trotzdem oder gerade deshalb funktionieren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus meiner Perspektive findet Gesangsunterricht in dieser Reihenfolge statt: erst h\u00f6ren, dann konkret handeln. Als Lehrer ist wichtig, was man tut, und nicht, was man sagt &#8211; wie sonst im Leben auch! Das Wesentliche ist unsagbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Also, der Atem ist wichtig, um&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer (unterbricht lachend): Nein, Atem ist v\u00f6llig unwichtig f\u00fcrs Singen &#8211; Atem ist die Luft, die aus Ihrem Mund str\u00f6mt, diese k\u00f6nnen Sie recht gut mit Hygienema\u00dfnahmen wie z.B. Z\u00e4hneputzen oder Kaugummikauen beeinflussen &#8211; am besten vor den Liebesduetten bitte! Was Sie meinen, ist Atmung, also die S\u00e4ngerst\u00fctze. Selbst in der Fachliteratur wird dies verwechselt. Atmung und Atem sind unterschiedliche Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Mit den Begrifflichkeiten sind Sie aber sehr genau.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: So genau wie m\u00f6glich &#8211; und das ist schwer in der Gesangsp\u00e4dagogik. Es gibt keine einheitliche Nomenklatur. F\u00fcr jedes Ereignis in der menschlichen Stimme gibt es viele unterschiedliche Bezeichnungen, die sich teilweise sogar widersprechen. Manche sind modern, andere entspringen einer Tradition, manche sind schlicht verwirrend. Besonders interessant zu beobachten sind die vielen neueren Methoden, die akustische Ph\u00e4nomene mit stimmlicher Koordination verwechseln und damit auch noch, zumindest finanziell betrachtet, erfolgreich arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Wie betrachten Sie die Gesangsausbildung an deutschen Hochschulen?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Unterschiedlich, sehr unterschiedlich. Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von guten Lehrern f\u00fcr Gesang, und einige davon sind an Hochschulen. Ein Professorentitel sagt \u00fcber die Qualit\u00e4t nicht immer etwas aus, ich kenne Lehrbeauftragte und Musikschullehrer, die hervorragende Arbeit leisten. Manchmal bin ich sehr traurig, dass ein Studierender, der voller Euphorie zu seinem neuen Lehrer ins Studium geht, feststellen muss, dass die erwartete Qualit\u00e4t in der Arbeit mit dem Lehrer ausbleibt &#8211; entweder, weil dieser \u00fcber Wochen nicht anwesend ist, oder weil er im Grunde \u201enur\u201c S\u00e4nger und eben nicht auch Gesangslehrer ist, wie es f\u00fcr einen Gesangsprofessor sicher sinnvoll zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>In Frankfurt haben wir das Gl\u00fcck, einige gute und sehr unterschiedliche Gesangslehrer zu haben! Das find ich richtig klasse!<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus finde ich, dass ein Musikstudium ein Musikstudium ist. Die Studierenden sollten sich wirklich musikalisch bilden und die F\u00e4cher, die man dazu ben\u00f6tigt, ernsthaft erarbeiten, jedoch ist Gesang das Hauptfach und das kommt oft zu kurz. Ich sehe meine Studenten 4 mal w\u00f6chentlich. Drei technische Einheiten und mit der ganzen Klasse eine Singstunde, um das auswendig pr\u00e4parierte Repertoire in einer gesch\u00fctzten Vorsingsituation zu pr\u00e4sentieren. Das finde ich wichtig. Auswendig singen ist bei mir Pflicht, wer das nicht kann, hat im S\u00e4ngerberuf nichts verloren. Man muss vielMusik in kurzer Zeit memorisieren k\u00f6nnen. Wenn Sie bei einer dreiseitigen Arie wie zum Beispiel die Arie der Musetta aus Boh\u00e8me nur die Melodie und den Text extrahieren, dann bleibt da ungef\u00e4hr eine halbe Din A 4 Seite \u00fcbrig. Vom Pensum her lernen das Grundschulkinder in Vor- und Nachsingsituation in Minuten. Manche Studierende ben\u00f6tigen Wochen um soetwas zu erarbeiten und kennen dann immer noch nicht die Vortragsbezeichnungen dieser Arie, die ebenso sehr wichtig sind. Ganz zu schweigen vom Klavierauszug oder gar der Partitur. Das geht bei mir nicht, denn dann w\u00fcrde man ja Jahre zum Erarbeiten einer ganzen Opernpartie ben\u00f6tigen. Soviel Zeit zum Erarbeiten gab es nie und gibts auch nicht. Nicht am Theater, nicht im Konzertgesch\u00e4ft und auch nicht an der Hochschule.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der frankfurter Hochschule sehe ich auch andere Hochschulen, die eine gute Arbeit machen &#8211; viele Gesangsabteilungen in Deutschland haben sich aufgemacht, um studentenorientierter zu arbeiten. Dazu hilft auch der Bund deutscher Gesangsp\u00e4dagogen &#8211; das ist ein wichtiger Verein, der auch Fortbildungen anbietet. Das halte ich f\u00fcr sehr wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Unterlaufen Ihnen auch Fehler ?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Klar, erst k\u00fcrzlich fiel mir auf, dass ich einen Sch\u00fcler eigentlich falsch unterrichtet hatte. Aber dass so wenig passiert, liegt ja nicht an mir, sondern an den Sch\u00fclern &#8211; die sind m\u00fcndig und sollen und d\u00fcrfen Kritik geben, und je l\u00e4nger sie in der Klasse sind, desto schwerer wiegt die Kritik! Dadurch kann ich mich als Lehrer doch erst so richtig entwickeln. Als Lehrender sollte man auch immer Lernender sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Worauf sind sie stolz?<\/p>\n\n\n\n<p>Stolz ist ein starkes Wort. Manchmal freue ich mich sehr \u00fcber k\u00fcnstlerischen Erfolg, aber ob das dann mein alleiniges Verdienst ist? Wer kann das nach einer \u201eJohannespassion\u201c von Bach bewerten &#8211; der meiste Applaus geht doch hier an Bach, und dann erst an die Musiker!<\/p>\n\n\n\n<p>Mich macht es sehr gl\u00fccklich zu sehen, wenn meine Sch\u00fcler gut sind, als S\u00e4nger oder als Gesangslehrer! Hier ist aber \u201eerfolgreich\u201c und \u201egut\u201c zu unterscheiden: Wieviele erfolgreiche K\u00fcnstler kennen wir, die nicht unbedingt auch gut sind&#8230; Es ist nat\u00fcrlich ganz toll, wenn ein Student den ersten Preis im \u201eInternationalen Musikwettbewerb K\u00f6ln\u201c oder eine Studentin den \u201eBilbao Singing Competition\u201c gewinnt! Mich bewegt aber auch tief im Innern, wie gut einige meiner Leute unterrichten. Die wissen wirklich, wie man das macht &#8211; und zwar nicht als Kopie von mir, sondern mit eigenem Wissen und Reflexion. Manchmal ertappe ich mich \u00fcbergl\u00fccklich beim Erarbeiten einer Koordination einer Stimme, die nun endlich nach einem langen Arbeitsprozess vollkommen frei und ungehemmt singen kann. Dann bin ich sehr froh und, wenn Sie m\u00f6gen, auch etwas stolz.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Halten Sie also Reflexion f\u00fcr wichtig?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Wenige W\u00f6rter werden so ma\u00dflos \u00fcbersch\u00e4tzt wie das Wort Reflexion. Besonders beim S\u00e4nger. Hier wird \u201eReflexion\u201c oft als Synonym f\u00fcr \u201eTextausdeutung\u201c benutzt. Die meisten Texte sind aber, verzeihen Sie bitte, doch recht schlicht und beim ersten Lesen vollst\u00e4ndig zu begreifen &#8211; bitte lesen Sie mal das Libretto vom Troubadour oder lesen Sie mal die Texte von Wilhelm M\u00fcller in Schuberts M\u00fcllerin. Das ist einfach kein Kant oder Hegel &#8211; das ist Poesie, und die ist so wundersch\u00f6n, dass man sie eh nur mit dem Herzen begreifen kann. Und einem jungen Menschen dann zu sagen, dass er dies oder jenes falsch empfindet, liegt mir doch fern. Wenn mal etwas kommt, das einen intellektuell fordert, sollte man sich im Vorfeld darum bem\u00fchen, f\u00fcr alles Andere reicht ein gutes Herz, wie sonst im Leben auch. Wenn eine S\u00e4ngerin den Buchstaben\u201eA&#8220; \u00fcber das Wort\u201e Ach&#8220; beim Beginn der Pamina Arie in ihre Noten schreibt, um daran zu denken, dass sie ein\u201eA&#8220; singen muss, halte ich dies nicht f\u00fcr reflektiert sondern f\u00fcr dumm. Noch schlimmer wird es, wenn der S\u00e4nger den Vorgang des Singens w\u00e4hrend des Singens reflektiert und sich quasiw\u00e4hrenddessenselbst unterrichtet, um nach irgendwelchen Vorstellungen zu suchen. Pseudoreflexion durch Bewusstmachung vollkommener nat\u00fcrlicher T\u00e4tigkeiten ist oft der Beginn des Verfalls der Nat\u00fcrlichkeit. Das kann man solange machen, bis von der Gesangsfreude, mit der man einst so \u00fcbersch\u00e4umend begann, nichts mehr \u00fcbrig ist. Der S\u00e4nger sucht dann nach dem Trick des Singens w\u00e4hrend er singt. Das w\u00e4re so, wie wenn man w\u00e4hrend einer Autofahrt einen \u00d6lwechsel durchf\u00fchren will. Aber der Trick beim Singen ist: es gibt keinen. Wenn der S\u00e4ger das begreift, wird er sofort in diesem Moment befreit sein und statt Reflexion seine volle Emotion h\u00f6rbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Gesangslehrer hingegen braucht man eine Menge an Reflexion seiner Arbeit, da man sie dadurch verbessert und nicht \u00fcber Jahre immer den gleichen K\u00e4se unterrichtet! Obwohl viel Erfahrung nicht immer mit \u201egut\u201c gleichzusetzen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Welche k\u00fcnstlerischen Pl\u00e4ne haben Sie?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Ganz einfach : Ich habe meine K\u00fcnstlerlaufbahn noch nie geplant und werde es auch nicht tun. Ich bin in der gl\u00fccklichen Lage, ausw\u00e4hlen zu k\u00f6nnen und schaue mir die Kriterien genau an: Ruhm und Ehre, Freude am Musizieren oder eine \u00fcberzeugende Gage. Eins von den drei Dingen sollte immer dabei sein, am besten aber alle drei, wobei mir zur Zeit die Freude am Musizieren der wichtigste Faktor ist. Die Anfragen f\u00fcr Konzerte sind zahlreicher, als ich m\u00f6glich machen kann, und vielleicht singe ich auch nochmal den Tamino irgendwo &#8211; den mag ich besonders und habe ihn auch sehr, sehr oft gesungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Lehner: Lieber Professor Heyer, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Letzte Frage: Was tun Sie denn, wenn Sie nicht singen oder Gesangunterricht geben?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Dann trage ich einen viel wichtigeren Titel, der auch mit P beginnt: Papa!<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"907\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen5.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2277\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen5.webp 605w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen5-200x300.webp 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Man singt nur mit dem Herzen gut &#8211; Thomas Heyer wird Porfessor in Frankfurt<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p>Thomas Heyer&nbsp;d\u00fcrfte gerade neun Jahre alt gewesen sein, als man ihn im niederrheinischen Waldniel immer wieder auf Festen und Feiern entdeckte \u2013 mit einem umgeschnallten Akkordeon und der Freude, zum eigenen Spiel nach Herzenslust zu singen. Sich musikalisch zu \u00e4u\u00dfern, war f\u00fcr ihn schon damals \u201eso selbstverst\u00e4ndlich wie schwimmen oder Rad fahren\u201c, sagt er. Diese Haltung ist ihm auch noch heute zu eigen. Seit Oktober 2008 ist der Tenor Thomas Heyer Professor f\u00fcr Gesang an der HfMDK.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist seine musikalische Sozialisation mitverantwortlich f\u00fcr seine \u00dcberzeugung, dass Singen \u201ekein intellektueller Zustand ist. Das Wesentliche beim Singen ist, dass man es emotional macht. Sobald ich es wirklich emotional steuere, wird es Musik.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in der Zeit seines K\u00f6lner Studiums der Schulmusik war er von der Neugier getrieben, die physiologischen Zusammenh\u00e4nge des Stimmapparates zu verstehen. Er hospitierte bei unz\u00e4hligen S\u00e4ngern, leitete mit 18 Jahren seinen eigenen Jugendchor und hatte sich als 20-j\u00e4hriger Student bereits seine private Ge- sangsklasse aufgebaut. Mit 23 Jahren, noch w\u00e4hrend seines Lehramtsstudiums, holte ihn die Hagener Oper zu seinem ersten B\u00fchnenengagement als Solist. Mit Mitte 20 besang der Tenorsolist in der K\u00f6lner Philharmonie bereits Beethovens \u201eOde an die Freude\u201c und sammelte reichlich Erfahrung in der Oper und auf dem Konzertpodium. \u201eAls Student habe ich mir mein Studium selbst finanziert\u201c, erinnert er sich an seine Studienzeit; \u201eam Samstagabend bin ich mit `Love me tender` aufgetreten, am Sonntagnachmittag dann mit Haydns Sch\u00f6pfung.\u201c Seine Studien in Gesang und Gesangsp\u00e4dagogik komplettierte er bei Prof. Arthur Janzen, Judith Lindenbaum sowie bei den Kammers\u00e4ngern Prof. Reinhard Leisenheimer und Kurt Moll. Internationale Engagements folgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Musikstudenten, die von Thomas Heyers p\u00e4dagogischer Begabung profitierten, erlebten ihn als Lehrbeauftragten an der Universit\u00e4t Siegen. Die dort von ihm initiierten Auf\u00fchrungen von Humperdincks H\u00e4nsel und Gretel und Figaros Hochzeit, besetzt mit Studierenden seiner Gesangsklasse, lie\u00dfen erahnen, dass Unterrichten f\u00fcr Thomas Heyer mehr mit Leidenschaft als mit Pflicht zu tun hat. Mehrere Semester unterrichtete er als Lehrbeauftragter an der HfMDK, bevor er schlie\u00dflich auf die Professur von Karl Markus als sein Nachfolger berufen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Welt ist so, wie wir sie sehen\u201c und \u201eMan singt nur mit dem Herzen gut\u201c lauten zwei wichtige Leits\u00e4tze von Thomas Heyer. Damit formuliert er sein p\u00e4dagogisches Selbstverst\u00e4ndnis, an stimmlichen Defiziten physiologisch \u2013 eher im Sinne eines Trainings \u2013 zu arbeiten und gute Anlagen zu verst\u00e4rken. \u201eEine Stimme kann das, was sie kann. Was sie nicht kann, muss man zun\u00e4chst der Muskulatur im Unterricht zeigen. Eben eine klare Kompetenzverteilung zwischen Sch\u00fcler und Lehrer!\u201c Er ist sich sicher: \u201eEin Mensch, der sich f\u00fcr ein Musikstudium entschlossen hat, ist ja voll mit Musik. Wir m\u00fcssen ihn nur noch \u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Unterricht ist es dem Tenor wichtig, \u201eals Lehrender selbst Lernender zu bleiben\u201c. In den ersten Semestern eines Gesangsstudiums m\u00f6chte er f\u00fcr die Studierenden eine Bezugsperson sein: Viermal pro Woche bekommt ein Gesangsstudent bei ihm Unterricht: technische Einheiten und jede Woche eine Klassenstunde. Aus stimmphysiologischer Sicht sei ein junger S\u00e4nger anfangs nicht in der Lage, so Heyers \u00dcberzeugung, sich selbst zu unterrichten. Daher k\u00f6nnen in seinem Unterricht so sinnf\u00e4llige S\u00e4tze fallen wie: \u201eH\u00f6r auf zu \u00fcben und fang an zu singen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Rheinl\u00e4nder ist die Gesangsprofessur schlicht \u201esein Traumberuf\u201c. Bis zu 10 mal im Jahr gibt er zus\u00e4tzlich Masterclasses in Europa und USA; 2010 folgt er einer Einladung zu einem Meisterkurs in Kanada. Au\u00dferdem \u201egibt es f\u00fcr mich keinen Tag, an dem ich nicht singe \u2013 das ist f\u00fcr mich schlichtweg eine Lebens\u00e4u\u00dferung.\u201c Ganz privat kann er das Musizieren \u00fcbrigens auch nicht lassen: Dann vertieft er sich am Klavier in einen Band mit Schubert-Liedern.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"907\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen6.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2278\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen6.webp 605w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen6-200x300.webp 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Aus der Seele statt aus der Kehle<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Interview mit Bj\u00f6rn Hadem<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p>Vom &#8222;Infotag Gesang&#8220; profitieren Interessenten ebenso wie Lehrende und Studierende der Gesangsabteilung&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2009 l\u00e4dt die Gesangsabteilung der HfMDK zum &#8222;Infotag Gesang&#8220; jene ein, die \u00fcber eine Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr diesen Studiengang nachdenken. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die allj\u00e4hrliche Veranstaltung ein Gewinn f\u00fcr beide Seiten ist: Angehende K\u00fcnstler bekommen ein realistisches Feedback schon vor der Aufnahmepr\u00fcfung; das Niveau der Gesangsabteilung hat sich noch einmal gesteigert, seitdem Bewerber mit gezielterem Wissen und K\u00f6nnen der Jury vorsingen. Gesangsprofessor Thomas Heyer berichtet \u00fcber seine positiven Erfahrungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Frankfurt in Takt: Herr Heyer, Sie sind Initiator und Organisator des Infotags Gesang. Wie entstand er?<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Thomas Heyer: Als ich 2008 die Professur an der Hochschule antrat, hatte ich den Eindruck, dass die &#8222;W\u00e4nde&#8220; der Hochschule noch durchl\u00e4ssiger sein m\u00fcssten, n\u00e4mlich, um schon vor Studienbeginn \u00fcber die Anforderungen eines Gesangsstudiums aufzukl\u00e4ren, eben bevor sich S\u00e4nger bei uns der Eignungspr\u00fcfung stellen. Diese Idee hat sich als n\u00fctzlich f\u00fcr beide Seiten erwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>FiT: Inwiefern beide Seiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Die Anzahl der Bewerber zum Gesangsstudium an unserer Hochschule ist gestiegen. Wesentlich aber ist, dass sich viele von ihnen durch den Besuch beim Infotag Gesang gezielter und damit besser auf die Pr\u00fcfung vorbereiten konnten. Viele kommen mit einer gro\u00dfen Begabung, aber einem f\u00fcr ihre Stimme gerade nicht optimalen Repertoire, um ihre St\u00e4rken zu zeigen. In dieser Hinsicht k\u00f6nnen wir ihnen hilfreiche Tipps geben. \u00dcberdies k\u00f6nnen wir Kandidaten auch klar sagen, dass es zum Gesangsstudium nicht oder noch nicht reicht. F\u00fcr uns Professoren ist der Infotag eine Gelegenheit, uns mit unserer jeweils sehr unterschiedlichen Art des Unterrichtens zu pr\u00e4sentieren und uns damit selbst auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Und der Interessent kann seine neben dem Singen wichtigste Begabung f\u00f6rdern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>FiT: Die da w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Die Begabung, den f\u00fcr ihn passenden Lehrer zu finden. Gerade, weil die vier Gesangsprofessoren an der HfMDK so unterschiedlich, aber jeder f\u00fcr sich effizient, arbeiten, ist es wichtig, f\u00fcr sich den &#8222;richtigen&#8220; zu entdecken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>FiT: Was l\u00e4uft beim Infotag Gesang genau ab?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Die Kandidaten singen vormittags den Lehrenden einzeln vor und bekommen ein Feedback. Nachmittags haben sie Gelegenheit, offene Unterrichte aller Professoren zu besuchen, dort zuzuschauen und sich selbst unterrichten zu lassen. Davon profitieren \u00fcbrigens auch unsere Studierenden: Sie schauen dabei gern in die offenen Unterrichte auch der &#8222;anderen&#8220; hinein. Wichtig ist nat\u00fcrlich auch der Austausch der Interessenten mit den Studierenden. Daf\u00fcr haben wir einen Infostand eingerichtet, wo direkt alle Fragen mit unseren Studierenden gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>FiT: Wenn Sie betonen, wie unterschiedlich die methodischen Ans\u00e4tze der in der Gesangsabteilung sind, k\u00f6nnten die Meinungen der Jury bei den Aufnahme- und Abschlusspr\u00fcfungen entsprechend weit auseinandergehen, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Wir haben vor einiger Zeit eine Tischvorlage gemeinsam erarbeitet, in der wir uns auf objektiv bewertbare Grundparameter geeinigt haben &#8211; dazu z\u00e4hlen unter anderem musikalische Ausdrucksformen wie Legato oder die Beherrschung des Messa di voce. Aber sicher bleibt es eine Herausforderung, Kandidaten &#8222;objektiv&#8220; zu bewerten &#8211; das ist \u00fcbrigens umso schwieriger bei einer Abschlusspr\u00fcfung, wenn den Studierenden ein individueller Ruf in der Abteilung vorauseilt.<\/p>\n\n\n\n<p>FiT: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Voraussetzungen f\u00fcr ein Gesangsstudium?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Zuvorderst drei Dinge: die Stimme, die Stimme und dann die Stimme. Musikalit\u00e4t ist nat\u00fcrlich Voraussetzung &#8211; sie zu zeigen, allerdings bei schlechter Stimmkoordination sehr schwierig. Am \u00fcberzeugendsten singen die, die es gern tun, die, die mit der Seele und nicht mit der Kehle singen. Sendungsbewusstsein und starke Emotionalit\u00e4t sind unabdingbar. Zudem spielt das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild immer mehr eine Rolle f\u00fcr eine sp\u00e4tere Vermittlung an Opernh\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<p>FiT: K\u00f6nnen Sie auf dem Hochschul-&#8222;Markt&#8220; einen spezifischen Ruf der HfMDK-Gesangsabteilung heraush\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Heyer: Am ehesten den, dass es als besonders schwierig empfunden wird, bei uns als Gesangsstudierender aufgenommen zu werden, weil wir die Messlatte recht hoch legen &#8211; entsprechend gut sind auch die Abschlussergebnisse. Und was auch f\u00fcr Frankfurt steht: S\u00e4nger, die bei uns aufgenommen werden, haben daf\u00fcr das Placet der gesamten Jury-Teams und nicht nur das des sp\u00e4teren Hauptfachlehrers. Bei aller Unterschiedlichkeit sind Pr\u00fcfungsentscheidungen bei uns absolute Teamsache.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full has-custom-border\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"907\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen7.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2279\" style=\"border-radius:20px\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen7.webp 605w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen7-200x300.webp 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Er trifft immer den Ton<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Sandra Wagner, Portr\u00e4t\/Interview Tenor Thomas Heyer, 05.07.08<\/em><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:3px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-right:var(--wp--preset--spacing--50);padding-left:var(--wp--preset--spacing--50);flex-basis:64%\">\n<p>\u201eMeine Stimme ist ein St\u00fcck meiner Pers\u00f6nlichkeit\u201d, wei\u00df Tenor Thomas Heyer<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kind war der Waldnieler Thomas Heyer Mitglied des Waldnieler Akkordeonorchesters. Heute ist er Tenor und Professor. PlusPunkt hat mit dem Musiker gesprochen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Waldniel\/K\u00f6ln. Konzerte im In- und Ausland, darunter in den Philharmonien K\u00f6ln und Berlin, Rundfunk- und Fernsehproduktionen, Barock, Klassik, Romantik und zeitgen\u00f6ssische Werke \u2013 die Palette ist breit gef\u00e4chert.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Jungs spielen Fu\u00dfball, Sie haben lieber gesungen. Liegt das im Blut?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt nicht. Meine Mutter ist Hausfrau und die beste K\u00f6chin der Welt, mein Vater Handwerker. Es ergab sich schlicht. Mit acht Jahren spielte ich im Akkordeonorchester, sp\u00e4ter machte ich Unterhaltungs- und Tanzmusik, sang Schlager. Zudem habe ich den Jugendchor St. Michael Waldniel zehn Jahre geleitet. Musik geh\u00f6rte f\u00fcr mich zum Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sind Sie ein gefragter Tenor und Musikp\u00e4dagoge. Gab es jemals Zweifel an Ihrer Berufswahl? Was w\u00e4re Ihre Alternative gewesen?<\/p>\n\n\n\n<p>Es war immer schon klar, dass ich etwas mit Musik machen wollte. Das ist pure Freude. Zum Gl\u00fcck haben meine Eltern mich immer unterst\u00fctzt. Handwerker w\u00e4re auch eine M\u00f6glichkeit gewesen, aber nicht wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesang ist doch auch irgendwie Handwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt. Ein Instrument \u00fcbt man, eine Stimme wird trainiert &#8211; das ist eine Frage der Muskulatur. Allerdings sollte Freude die Motivation sein, nicht der Gedanke des M\u00fcssens. F\u00fcr mich ist meine Musik eine gar nicht so ernste Kunst; ich muss mich nicht im K\u00e4mmerlein einschlie\u00dfen und grimmig gucken. Kunst und k\u00fcnstlich liegen nah beieinander. Meine Stimme ist ein St\u00fcck meiner Pers\u00f6nlichkeit und mir ist es wichtig, authentisch zu sein. Dazu geh\u00f6rt sicherlich auch mal etwas Komisches oder eine heitere Kinderoper.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab Oktober werden Sie Professor f\u00fcr Gesang an der Hochschule f\u00fcr Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber freue ich mich sehr und bin auch stolz darauf, denn es ist angesichts meines Alters \u2013 ich bin Jahrgang 1972 &#8211; ziemlich ungew\u00f6hnlich. Es ist genau die Arbeit, die ich machen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie leiten auch Gesangkurse im In- und Ausland, darunter seit einigen Jahren jeweils im Sommer auch in Ihrer alten Heimat Waldniel.<\/p>\n\n\n\n<p>Haus Clee kannte ich schon als Kind. Die Idee, die Kurse dort zu leiten, lag nahe. Es sind schlicht die besten Voraussetzungen, die es f\u00fcr einen solchen Meisterkurs geben kann. Zielgruppe sind Studenten oder Profis \u201eauf dem Sprung\u201c, also junge S\u00e4nger auf dem Weg ins Opernhaus. Die maximal acht Teilnehmer kommen in diesem Jahr aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Neuseeland, Kanada und \u00d6sterreich. Eine Woche lang trainieren wir dreimal t\u00e4glich Technik und Repertoire. Nachmittags wird das Erarbeitete gemeinsam res\u00fcmiert. Unterst\u00fctzt werde ich dabei von meinem Pianisten Klaus Roth.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie leben in K\u00f6ln. Was verbindet Sie mit Waldniel?<\/p>\n\n\n\n<p>Leider bin ich sehr selten dort. Nat\u00fcrlich bestehen noch Freundschaften. Ich habe viele sch\u00f6ne Erinnerungen an Waldniel, etwa aus der Zeit, wo ich noch im Karneval aktiv oder Messdiener war. Mein liebstes St\u00fcck aber ist der Dom. Ich habe manches Benefizkonzert zu Gunsten seiner Restaurierung gegeben. Der K\u00f6lner Dom ist eben nur fast so sch\u00f6n wie der in Schwalmtal!<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:18%\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full wp-duotone-unset-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"606\" height=\"455\" src=\"https:\/\/thomasheyer-com.preview-domain.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen8.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2280\" srcset=\"https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen8.webp 606w, https:\/\/thomasheyer.com\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Veroeffentlichungen8-300x225.webp 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein mit dem eigenen Singen Der ultimative Leitfaden zur gesanglichen Selbstsabotage Text\u00a0\u00a0f\u00fcr die Vox Humana im Jahr 2025 Einleitung Singen ist einfach und macht gl\u00fccklich \u2013 das pfeifen die Spatzen von den D\u00e4chern. 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